Christliche Zeitreise durchs Erbrecht

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[ 21.10.2015 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Auf eine spannende Zeitreise durch das Erbrecht nahm Referent Gerhard Ruby die Zuhörer des Vortrags „Christliche Impulse im Erbrecht“ mit.  Die vierte Veranstaltung der vom katholischen Bildungswerk veranstalteten Erbrechtstage beleuchtete ein von der Wissenschaft wenig beachtetes Feld der Rechtswissenschaft. Ruby stellte die alten Römer als geniales Rechtsvolk dar, dessen Vorarbeiten im Erbrecht wir übernommen hätte. „80 Prozent unseres heutigen deutschen Erbrechts haben wir letztlich von den Römern abgeschrieben.“ Der Referent beleuchtete dann die Christianisierung des badischen Unterlandes durch den irischen Mönch Fridolin, der in Säckingen sesshaft wurde, und den Zusammenstoß christlicher Vererbungsvorstellungen mit denen der alten Alemannen, die kein Erbrecht im heutigen Sinne kannten. Die frühe Kirche löste aus der festgefügten Hausgemeinschaft, die Eigentümer des Familienvermögens war, einen Sohnesteil für Christus zugunsten der Armen und der eigenen Seele des Erblassers heraus. Dies war der Einstieg in die Testierfreiheit und das Testamentsrecht bei unseren Vorfahren. Bis dahin gab es für den einzelnen keine nennenswerte Möglichkeit individuelles Eigentum zu vererben. Dieser erste Freiteil, der abgestuft  einen Sohneskopfteil bis zur Hälfte des Vermögens betragen sollte, sei  – als Gegenbegriff zum heutigen Pflichtteil –  den sozialen Hilfswerken der Christen zugeflossen, die sich als einzige um Arme, Kranke, Witwen, Waisen, Alte und Fremde gekümmert hätten. Es war eine schrecklich Zeit ohne soziale Absicherung, in der sich die Armen und Kranken auf der Straße mit den Hunden um die Abfälle stritten, wie zahlreiche Zeugnisse aus jener Zeit belegten. Segensreich habe das Christentum auch für die Frauen gewirkt, die im römischen Recht unter der Gewalt das Familienpatrons standen. Das war der älteste Familienvorsteher, also zunächst meist der Schwiegervater, dann der eigene Ehemann. Die Macht des Familienpatrons sei umfassend gewesen. Wenn der Schwiegervater zum Beispiel befohlen habe ein neugeborenes Kind auf einem der dafür vorgesehenen Dunghaufen in Rom auszusetzen, habe die Schwiegertochter als Kindesmutter sich dem fügen müssen. Die Ehefrau habe auch keine erbrechtliche Absicherung gehabt. Erst der christliche Kaiser Justinian habe 537 mit der „Quart der armen Witwe“, also einem Viertel für die Ehefrau neben den Kindern, ein echtes gesetzliche Erbrecht der Ehefrau eröffnet. Auch die Testamentsvollstreckung und die Erbschaftsteuer gingen in Mittel- und Nordeuropa letztlich auf christliche Impulse zurück. Testierfreiheit, Testament, Ehegattenerbrecht und Testamentsvollstreckung wurden dann als Instrumente zur Gestaltung der eigenen  Nachfolge und Wahrung des Familienfriedens vorgestellt. Die Erbrechtstage werden am Dienstag den 27.Oktober 2015 fortgesetzt. „Was Sie vom Erbrecht wissen sollten! Ein Streifzug durch das Erbrecht und Erbschaftsteuerrecht“ heißt der Vortrag von Rechtsanwältin Jelena Liebl. Der Vortrag findet ab 19.30 Uhr im Münsterzentrum Villingen statt. Der Eintritt ist frei.

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