Erbfall im Ausland, Ausschlagung in Deutschland?

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Erbfall im Ausland, Ausschlagung in Deutschland?

Erbfall im Ausland, Ausschlagung in Deutschland. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Erbfall im Ausland, Ausschlagung in Deutschland

Frage:
Meine Mutter ist in Italien verstorben und hatte dort auch ihren letzten Wohnsitz. Seit vielen Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter gehabt und möchte nun ausschlagen. Da ich meinen Wohnsitz in Deutschland habe, möchte ich natürlich gerne in Deutschland ausschlagen. Geht das?

Antwort:
Grundsätzlich richten sich die Fragen nach Zulässigkeit und Voraussetzung einer Ausschlagung immer nach dem sogenannten Erbstatut, das ist also das jeweilige Erbrecht, welches auf den Tod des Erblassers stattfindet. In der Regel richtet sich das Erbstatut nach der Staatsangehörigkeit, im vorliegenden Fall würde also italienisches Recht zur Anwendung kommen. Dies bezieht sich vor allem auf die Ausschlagungsfrist, die Ausschlagungsgründe, die Form der Ausschlagung etc.

Davon zu unterscheiden ist die Frage, an welchem Gericht die Ausschlagung erklärt werden muss. Das regelt die sogenannte örtliche Zuständigkeit. Im internationalen Erbrecht ist in der Regel auch immer dort die Erbschaftsausschlagung zu erklären, wo der Erbfall stattgefunden hat.

Nach deutschem Recht kann aber ausnahmsweise auch bei einem ausländischen Erbfall hier in Deutschland die Ausschlagung erklärt, und zwar jeweils bei demjenigen Nachlassgericht, in dessen Bezirk sich Nachlassgegenstände befinden. Voraussetzung ist also, dass der im Ausland verstorbene Erblasser in Deutschland noch Nachlassvermögen hatte, dies können beispielsweise Grundstücke sein, Geldguthaben bei Banken oder aber auch bewegliche Nachlassgegenstände wie beispielsweise einen Pkw, oder einen Hausstand. Wenn der Erblasser jedoch gar kein Vermögen in Deutschland hatte und einen letzten Aufenthalt in Ausland hatte, ist eine örtliche Zuständigkeit in Deutschland nicht vorhanden.

Dies ist vor allem dann wichtig, wenn der Verstorbene eventuell nur Schulden in Deutschland hinterlassen hat. Nach herrschender Meinung gibt es dann kein zuständiges Nachlassgericht in Deutschland, an dem ausgeschlagen werden kann. Es muss dann zwingend beim zuständigen Nachlassgericht im Ausland ausgeschlagen werden.

Etwas anders sieht es aus, wenn der Verstorbene Deutscher war. Wenn nämlich ein Deutscher im Ausland verstirbt und auch seinen letzten Wohnsitz im Ausland hatte, dann ist notfalls immer das Amtsgericht Schöneberg in Berlin für die Ausschlagung zuständig. Das kann die Sache dann erheblich vereinfachen.

In allen anderen Fällen gilt es sich rechtzeitig mit den Voraussetzungen des ausländischen Erbrechts vertraut zu machen, um die dortigen Ausschlagungsmöglichkeiten nicht zu versäumen.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Lastenfreistellung: Wie eine Grundschuld abgelöst wird

Lastenfreistellung erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby „Lastenfreistellung“ ist ein Begriff, der sich bei Übergabeverträgen und Grundstücksverkäufen eingebürgert hat. Hintergrund Ein Grundstückskaufvertrag ist notariell zu beurkunden. Will der Käufer Belastungen des Grundstücks (z.B. eine Grundschuld) nicht übernehmen, muss das Grundstück von dieser Last freigestellt werden. Das ist die Lastenfreistellung. Was ist eine Grundschuld? Mit der Grundschuld sichern sich…

Was versteht man unter „Erbfall“?

Was versteht man unter „Erbfall“? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Was versteht man unter „Erbfall“? Erbfall ist der Tod einer natürlichen Person.  Der Erbfall führt dazu, dass deren Vermögen als Erbschaft auf die Erben übergeht. Mit dem Tod verliert der Erblasser seine Rechtsfähigkeit und kann nicht mehr Träger der Erbschaft sein. Erbrechtkanzlei Ruby – Wir…

Kann auch ein Brief als Testament gelten?

Druckansicht öffnen  [ 16.01.2015 ] Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Ja, auch ein handschriftlicher, unterschriebener Brief kann ein wirksames Testament sein. Der Verfasser muss darin aber eindeutig seinen letzten Willen bekundet haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Brief in einem Umschlag mit der Aufschrift „Testament“ aufbewahrt wird. Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen…

Menü