Erbteilung: Ausgleichung und Erbschaftsteuer

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Erbteilung: Ausgleichung und Erbschaftsteuer

Druckansicht öffnen 

[ 05.12.2015 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Wenn die Eltern bzw. ein Elternteil einem Kind noch zu Lebzeiten Zuwendungen machen, können sie bei der Zuwendung die Ausgleichung der Schenkung beim Erbfall anordnen. Die Zuwendung ist dann auf den Erbteil anzurechnen. Wie wirkt sich das bei der Erbschaftsteuer aus? Dazu ein

Beispiel:

Die Eheleute V und W sind im gesetzlichen Güterstand, also ohne Ehevertrag, verheiratet. Sie haben die zwei Kinder K1 und K2. K1 hat vom Vater V eine ausgleichungspflichtige Zuwendung t von 20.000 Euro  (Steuerwert 15.000 Euro) erhalten. Der Nachlass des Vaters beträgt bei seinem Tod 200.000 Euro. Der Steuerwert liegt aber nur bei 100.000. Es ist gesetzliche Erbfolge eingetreten. Wie ist der Fall zivilrechtlich und steuerrechtlich abzuwickeln?

Lösung:

  • – Witwe W scheidet mit 100.000 aus der Ausgleichung aus, so dass noch 100.000 als Ausgleichungsnachlass für die Kinder verbleiben
  • Ausgleichungsnachlass: 100.000 + 20.000 VE K1 = 120.000
  • – Vorläufiger Ausgleichungserbteil K1 und K2: 120 x ½ = 60.000
  • – K1: 60.000 ./. 20.000 = 40.000
  • – K2: 60.000
  • – Verteilungsquoten: 1/2 für W, 2/10 für K1, 3/10 für K2
  • –  Die zivilrechtliche Verteilungsquote wird auf Steuerwert des Nachlasses 100 übertragen:
  • –   W ½ x 100 = 50.000 Steuerwert
  • –   K1 2/10 x 100 = 20.000 Steuerwert
  • –   K2 3/10 x 100 = 30.000 Steuerwert

Erfolgte die Zuwendung an K1 innerhalb von 10 Jahren vor dem Erbfall, ist sie mit dem Steuerwert im Zuwendungszeitpunkt, also 15.000, und dem steuerlichen Erwerb von K1 von 30.000 zusammenzurechnen, also 45.000.
Siehe: § 14 ErbStG, ErbSt R E 14.1, R E 3.1 (5)

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505


Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Welche aufschiebenden Einreden stehen den Erben zur Orientierung über den Stand der Erbschaft zu?

Aufschiebenden Einreden. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Der Erbe ist berechtigt, die Berichtigung einer Nachlassverbindlichkeit zu verweigern solange noch nicht drei Monate nach der Annahme der Erbschaft abgelaufen sind, jedoch nicht über die Errichtung des Inventars hinaus; wenn er den Antrag auf Erlassung eines Aufgebots der Nachlassgläubiger innerhalb eines Jahren nach der Annahme gestellt hat,…

Muss befreiter Betreuer dem Betreuungsgericht keine Rechenschaft ablegen?

Muss befreiter Betreuer dem Betreuungsgericht keine Rechenschaft ablegen?

Todeserklärung: Wie man sie bekommt

  Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Spezialist im Erbrecht   Es kommt, auch als Nachwirkung des zweiten Weltkrieges, immer noch vor, dass Familienangehörige vermisst oder verschollen sind. In den Fällen des zweiten Weltkrieges besitzen die Familienangehörigen häufig schriftliche Erklärungen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht oder des Deutschen Roten Kreuzes, dass der Verschollene oder Vermisste zuletzt an…

Menü