Ich bin Vorerbin aufgrund eines Testaments mit Wiederverheiratungsklausel

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Ich bin Vorerbin aufgrund eines Testaments mit Wiederverheiratungsklausel

Testament mit Wiederverheiratungsklausel. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Testament mit Wiederverheiratungsklausel

Frage:

Ich bin alleinige Vorerbin aufgrund eines Testaments, in dem mein Mann und ich uns gegenseitig zu alleinigen Erben und unsere Kinder zu gemeinsamen Nacherben eingesetzt haben. Wir haben eine Wiederverheiratungsklausel aufgenommen, nach der die Kinder nicht erst mit meinem Tod, sondern bereits dann Nacherben werden, wenn der überlebende Ehegatte, also ich, wieder heirate. Ich bin jetzt mit einem Mann zusammen, den ich gerne heiraten möchte. Was passiert, wenn ich wieder heirate?

Antwort:

Sicher ist, dass der Nacherbfall eintritt. Alles, was Sie von ihrem Mann geerbt haben, geht dann an die Kinder als endgültige Erben über.

Die spannendere Frage ist, was mit der Schlusserbeneinsetzung der Kinder passiert. Sie haben nämlich ihren Mann als Vorerben und die Kinder als Nacherben eingesetzt. Da ihr Mann aufgrund seines Vorversterbens nicht von Ihnen beerbt werden kann, sind die Kinder Ersatzerben. Sofern in ihrem Testament angeordnet ist, dass alle Verfügungen wechselbezüglich sind, wäre die Ersatzerbeneinsetzung der Kinder bindend und könnte von Ihnen nach dem Tod Ihres ersten Mannes nicht mehr widerrufen werden.

Die wohl herrschende Meinung geht aber davon aus, dass im Zweifel anzunehmen sei, dass die Ehegatten für den Wiederverheiratungsfall die Erbeinsetzung der gemeinsamen Kinder auf den Nachlass des Überlebenden als gegenstandslos ansehen wollten. Es tritt demnach die gesetzliche Erbfolge nach dem überlebenden Ehegatten ein, ohne dass es eines Widerrufstestaments bedarf. Nach dem Gesetz würde Ihr neuer Ehemann im Normalfall die 1/2 und ihre Kinder die andere Hälfte erben. Sie könnten danach aber auch durch neues Testament eine andere Erbfolge herbeiführen, z.B. Ihren neuen Ehemann als Alleinerben einsetzen und die Kinder auf den Pflichtteil setzen oder die Kinder als Erben einsetzen und den Ehemann mit einem Vermächtnis (z.B. Wohnungsrecht oder Geldvermächtnis) bedenken.

Diese Meinung, die insbesondere vom Oberlandesgericht Hamm und dem Kammergericht in Berlin vertreten werden, ist aber nicht unumstritten.

Es wird auch vertreten, dass die Schlusserbeneinsetzung durch eine neues Testament widerrufen werden muss und nicht automatisch wegfällt. Aus Gründen der Sicherheit sollte man auf jeden Fall diesen Weg beschreiten.

Eine andere Meinung will die Zeit seit dem Tod des ersten Ehegatten bis zur Wiederheirat (z.B. 10 Jahre) in Beziehung setzen zu der noch verbleibenden Ehezeit des überlebenden mit dem neuen Ehegatten (z.B. 5 Jahre). Dann könnte der überlebende Ehegatte über 1/3 seines eigenen Nachlasses frei verfügen. Hintergrund dieser Meinung ist, dass ansonsten der überlebende Ehegatte manipulieren könnte. Er könnte den Nachlass als Vorerbe voll nutzen, und zwar bis kurz vor seinen Tod um kurz vor seinem Tod zu heiraten und dann die volle Verfügungsfreiheit zu erhalten.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kann ein Gläubiger des Erben einen Erbschein beantragen?

Kann Gläubiger Erbschein beantragen? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Kann ein Gläubiger des Erblassers oder des Erben Erbschein beantragen? Ja, das kann er; aber nur dann, wenn er über eine titulierte Forderung, also z.B. über ein Urteil gegen den Erblasser oder den Erben verfügt (§§ 792, 896 ZPO). § 896 ZPO Erteilung von Urkunden an…

Zehn Gründe, warum im Erbrecht so gestritten wird: Grund 10

Zehn Gründe, warum im Erbrecht so gestritten wird: Grund 10. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Zehn Gründe, warum im Erbrecht so gestritten wird. Grund 10: Beerdigungskosten, Grabpflege So manches Grab verkommt. Keiner fühlt sich zuständig. Der Streit ist hochemotional. Wie ist die Rechtslage? Der Erbe, sei er gesetzlicher oder testamentarischer Erbe, trägt die Kosten der…

Doppelbesteuerung bei Schenkung und Erbschaft

Zu Vermeidung der Doppelbesteuerung von Schenkungen und Erbfällen in Deutschland und anderen Staaten wurden sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Die Abkommen gegen Doppelbesteuerung Auf dem Gebiet der Erbschaft- und Schenkungsteuern existieren derzeit Abkommen mit Dänemark seit 1.1.1997 Frankreich seit 3.4.2009 Griechenland seit 1.1.1953 Schweden seit 14.7.1992 Schweiz seit 30.11.1978 USA seit 3.12.1980 RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht….

Menü