Kann ein Testament widerrufen werden?

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Kann ein Testament widerrufen werden?

Druckansicht öffnen 

[ 02.10.2014 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Kann ein Testament widerrufen werden?

Der Erblasser kann das ganze Testament und auch einzelne Verfügungen darin jederzeit nach eigenem Belieben widerrufen (§ 2253 BGB). Widerrufen werden kann durch

  • Widerrufstestament, also neues Testament, in dem das alte Testament ganz oder teilweise widerrufen wird (§ 2254 BGB),
  • Vernichtung (z.B. Zerreißen) oder Veränderung (z.B. Durchstreichen) des Testaments in der Absicht es aufzuheben (§ 2255 BGB),
  • spätere Verfügungen von Todes wegen, die mit dem Inhalt des früheren Testaments unvereinbar sind (§§ 2258, 2289 Abs. 1 BGB) und durch
  • Rücknahme eines notariellen Testaments (nicht:  privates = handschriftliches Testament)  aus der amtlichen Verwahrung (§ 2256 BGB).

Wie muss ein Widerrufstestament aussehen?

Das Widerrufstestament kann in jeder Errichtungsform verfasst werden, muss also nicht in der Form des zu widerrufenden Testaments erfolgen. Ein notarielles Testament kann also durch ein privates, handschriftliches Testament widerrufen werden. Man muss nicht zum Notar um ein notarielles Testament zu widerrufen. Im Widerrufstestament muss ausdrücklich oder konkludent (durch schlüssiges Handeln) zum Ausdruck gebracht werden, dass die frühere letztwillige Verfügung außer Kraft gesetzt werden soll.

Davon zu unterscheiden ist der Fall des späteren Testaments, dessen Inhalt mit den früheren Testamenten in Widerspruch steht (§ 2258 BGB). Wenn eine Verfügung im späteren Testament mit einer des früheren nicht vereinbar ist, setzt die spätere die frühere außer Kraft, ohne dass der Erblasser einen speziellen Willen zum Widerruf der alten Verfügung äußern muss. Der Widerruf gilt sogar dann, wenn der Erblasser an das frühere Testament überhaupt nicht mehr gedacht hat.

Widerruf durch Vernichtung oder Veränderung des Testaments ist ebenfalls möglich. Dabei ist Voraussetzung, dass der Erblasser die körperliche Veränderung der Testamentsurkunde tatsächlich möchte. Möglich ist dabei z.B. Zerreißen (sogar schon ein Einreißen von zwei Seiten) oder Durchstreichen. Schon ein später angebrachter Vermerk wie „annulliert“ oder „ungültig“ ohne Unterschrift kann ausreichen.

Notarielle Testamente müssen in amtliche Verwahrung gebracht werden. Einmal aus der amtlichen Verwahrung genommen, gelten sie als widerrufen. Dann tritt die gesetzliche Erbfolge ein. 

Kann ein Widerruf widerrufen werden?

Eine Beseitigung des Widerrufs ist wie der Widerruf selbst jederzeit und in jeder der in §§ 2254 bis 3356 BGB zugelassenen Form möglich. Beim Widerruf des Widerrufstestamentes kommt es darauf an, ob das ursprüngliche Testament nach dem Willen des Erblassers wieder wirksam werden soll. Lässt sich ein solcher Wille nicht feststellen, kann davon ausgegangen werden, dass es dem Willen des Erblassers entspricht, das ursprüngliche Testament so zu behandeln, als sein es nie widerrufen worden (§ 2257 BGB). Das alte, ursprünglich widerrufene Testament lebt also wieder auf.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505


Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Was regelt das Gerichts- und Notarskostengesetz?

Was regelt das Gerichts- und Notarskostengesetz? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Was regelt das Gerichts- und Notarskostengesetz? Das Gesetz über Kosten der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Gerichte und Notare trat am 1. August 2013 in Kraft und ersetzte die bisherige „Kostenordnung“ für Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Die für die Gerichte und die Notare geltenden Regelungen wurden deutlich…

Patientenverfügung: Zahlen für Deutschland

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Wer kennt die Möglichkeit einer Patientenverfügung? 90 Prozent der unter 45jährigen kennen die Möglichkeit einer Patientenverfügung 98 Prozent der 45 bis 59jährigen kennen die Möglichkeit einer Patientenverfügung 96 Prozent der 60 bis 69jährigen kennen die Möglichkeit einer Patientenverfügung 93 Prozent der über 70jährigen kennen die Möglichkeit einer Patientenverfügung Wer hat…

Trauermahl = Leichenschmaus: Wer lädt ein und wer bezahlt?

  Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Anwalt für Erbrecht.   Laut BGB trägt der Erbe die Kosten der Beerdigung. Dazu gehört auch die Zeche für das Trauermahl. Lädt der Vater des Verstorbenen die Trauergäste ein, hat die nicht mit dem Erblasser verwandte Erbin die Rechnung zu bezahlen. Das Amtsgericht Grimma entschied am 9.4.1997 in einem solchen…

Menü