Noterbe: Das österreichische Pflichtteilsrecht

  1. Startseite
  2. N [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Noterbe: Das österreichische Pflichtteilsrecht

 

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Spezialist für Erbrecht.

1. Noterbe = Pflichtteilsberechtigter in Österreich
In der österreichischen Rechtsordnung ist der Pflichtteilsanspruch eine Geldforderung, welche der Noterbe (=Pflichtteilsberechtigte) gegen den Erben stellen kann.

2. Anspruch
Noterben sind die Nachkommen, der Ehegatte und die Vorfahren des Erblassers. Als Pflichtteil gebührt jedem Kind (Enkel, usw.) und dem Ehegatten die Hälfte dessen, was ihm nach der gesetzlichen Erbfolge zugefallen wäre, den Vorfahren jedoch nur ein Drittel.

Sollte zwischen Erbe und Erblasser niemals ein Naheverhältnis bestanden haben, wie es in der Familie zwischen solchen Verwandten gewöhnlich besteht, so kann der Erblasser den Pflichtteil testamentarisch um die Hälfte mindern.

3. Wie der Pflichtteil zu hinterlassen ist
Das ABGB räumt dem Testamentserrichter die Möglichkeit ein, den Pflichtteil „in Gestalt eines Erbteiles oder Vermächtnisses oder auch ohne ausdrückliche Benennung“ zu hinterlassen. Wichtig ist hierbei, dass der Pflichtteil dem Noter­ben „ganz frei“ zu bleiben hat. Er darf also weder mit Bedingungen, Beschränkungen oder Belastungen versehen sein.

Der Erblasser kann allerdings dem Noterben mehr als den ge­setzlichen Pflichtteil hinterlassen. Dieses „mehr“, aber auch nur dieses, kann mit Bedingun­gen, Beschränkungen oder Belastun­gen versehen werden. Der Testator kann aber auch, wenn er mehr als den Pflichtteil zuwendet, anordnen, dass sich der Noterbe die Bela­stung der gesamten Zuwendung gefallen lässt. In diesem Fall hat der Pflichtteilsberechtigte nur mehr die Möglich­keit, entwe­der das größere Vermächtnis bzw. den grö­ßeren Erbteil samt Bela­stung usw. anzunehmen oder es auszuschla­gen und den reinen Pflichtteil in Geld (siehe oben) zu fordern.

Es kommt aber auch oft vor, dass die Zuwendung an einen Pflichtteilsberechtigten weniger als den gesetzlichen Pflicht­teil ausmacht.

In solchen Fällen ist der Noterbe berechtigt, die Ergänzung auf den gesetzlichen Pflichtteil zu verlangen. Er kann das zu seinen Gunsten angeordnete Ver­mächtnis bzw. den ihm zugewendeten Erbteil annehmen und darüber hinaus die Differenz auf seinen wertmäßigen Pflichtteilsan­spruch in Geld for­dern.

4. Einzelnachweise
§§ 762-766 ABGB
§ 774 ABGB

 

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Nachweis eines niedrigeren Verkehrswerts durch Kombination mehrerer Gutachten

Nachweis eines niedrigeren Verkehrswerts durch Kombination mehrerer Gutachten, Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Nachweis eines niedrigeren Verkehrswerts durch Kombination mehrerer Gutachten 1. Das Finanzgericht kann sich seine Überzeugung von einem niedrigeren gemeinen Wert des zu bewertenden Grundstücks auch dadurch bilden, das es aus mehreren vom Steuerpflichtigen vorgelegten Gutachten diejenigen Ansätze bezüglich derselben Bewertungsmethode übernimmt, die gemäß…

Verschaffungsvermächtnis: Vermacht wird, was man gar nicht hat

Verschaffungsvermächtnis. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Verschaffungsvermächtnis Beim Verschaffungsvermächtnis wird ein Gegenstand als Vermächtnis vom Erblasser vermacht, der sich gar nicht im Nachlass befindet. Er muss vom Erblasser erst noch beschafft werden. § 2170 BGB Verschaffungsvermächtnis    (1) Ist das Vermächtnis eines Gegenstands, der zur Zeit des Erbfalls nicht zur Erbschaft gehört, nach § 2169…

Was ist eigentlich ein Vorvermächtnis und was ein Nachvermächtnis?

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Begriff Ein Vorvermächtnis ist die Zuwendung einer Sache aus dem Nachlass. Allerdings muss er dann später vom Bedachten herausgegeben werden. Das kann auch der Tod des Bedachten sein. Beispiel Ein Hausgrundstück geht mit dem Tod des Mannes an dessen zweite Ehefrau, während die Tochter aus erster Ehe Erbin ist. Das Haus…

Menü