Pflichteilsrecht kann zur Testamentsanfechtung berechtigten

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Das Pflichtteilsrecht gibt nicht nur einen Geldanspruch am Nachlass. In bestimmten Fällen verleiht es sogar die Befugnis ein Testament oder einen Erbvertrag anzufechten. So bestimmt das Gesetz in

§ 2079 BGB Anfechtung wegen Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten

Eine letztwillige Verfügung kann angefochten werden, wenn der Erblasser einen zur Zeit des Erbfalls vorhandenen Pflichtteilsberechtigten übergangen hat, dessen Vorhandensein ihm bei der Errichtung der Verfügung nicht bekannt war oder der erst nach der Errichtung geboren oder pflichtteilsberechtigt geworden ist. Die Anfechtung ist ausgeschlossen, soweit anzunehmen ist, dass der Erblasser auch bei Kenntnis der Sachlage die Verfügung getroffen haben würde.


Bei einer solchen Anfechung erlangt der Pflichtteilsberechtigte das volle gesetzliche Erbrecht, also die Miterbenstellung im doppelten Werte gegenüber dem Pflichtteil. Voraussetzung für die Anfechtung ist, dass der Erblasser den Pflichtteilsberechtigten nicht absichtlich von der Erbfolge ausgeschlossen, sondern irrtümlich übergangen hat.

Beispiele:

  • Der Pflichtteilsberechtigte wird erst nach der Errichtung des Testaments geboren, so dass an ihn noch gar nicht gedacht wurde, als des Testament errichtet wurde. Er kann dann das Testament anfechten und wird gesetzlicher Erbe.
  • Die Person war zur Zeit der Testamentserrichtung zwar schon vorhanden, aber noch nicht pflichtteilsberechtig, z.B. weil der Erblasser heiratet oder jemanden adoptiert. Der neue Ehegatte oder das Adoptivkind können dann das Testament anfechten und werden gesetzlicher Erbe.

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