Pflichtteil: Klage gegen beschenkte Geschwister, wenn Nachlass nicht reicht

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht, Konstanz, Radolfzell, Villingen, Rottweil 

Pflichtteilsrecht: Klage gegen das beschenkte Geschwister, wenn der Nachlass nicht reicht

Frage:

Mein Vater ist am 1. Dezember 2009 gestorben. Alleinerbin ist meine Mutter geworden. Mein Vater hat meiner einzigen Schwester mehrere Grundstücke geschenkt, deren Wert bei rund 1,6 Millionen Euro liegen dürfte. Davon möchte ich auch meinen Pflichtteil. Es ist aber nicht klar, ob der Nachlass der vielleicht noch einen Wert von 200.000 hat, für meinen Pflichtteil ausreicht. Auch weiß ich nicht, ob meine Mutter ihren eigenen Pflichtteil, gegen meinen Anspruch verteidigen kann. Gegen wen und wie mache ich jetzt meinen Pflichtteil am Besten geltend?

Antwort:

Zunächst haftet auf ihren Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsanspruch von insgesamt wohl 225.000 Euro die Mutter als Alleinerbin. Es kann aber sein, dass Ihre Mutter Ihren eigenen Pflichtteil verteidigt. Da dieser noch höher ist als Ihrer braucht Sie Ihnen nichts herauszugeben. Dann müssten Sie sich wegen des Pflichtteilsergänzungsanpruchs von 200.000 Euro an die Schwester wenden. Dabei ist zu beachten, dass der Anspruch gegen Ihre Schwester zum 1.12.2012 verjährt. Sie sollten unbedingt gegen Ihre Schwester auf Feststellung klagen, dass Ihre Schwester für den Fall der fehlenden Verpflichtung Ihrer Mutter die Zwangsvollstreckung wegen eines Pflichtteilsergänzungsanspruchs in die vom Vater geschenkten Grundstücke zu dulden hat und hilfsweise zur Zahlung verpflichtet ist.

Ob auch die Streitverkündung gegen Ihre Schwester im Prozess gegen die Mutter zu einer Verjährungshemmung führt, ist gerichtlich noch nicht entschieden, dürfte aber zu bejahen sein.

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