Pflichtteil bei Nullnachlass und weitergeschenktem Geschenk

Pflichtteil bei Nullnachlass. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Pflichtteil bei Nullnachlass

Frage: Meine Familie hat mich wohl schön ausgetrickst. Meine Mutter war Witwe und ist jetzt verstorben. Ich bin Alleinerbe aber meine Mutter hat nicht einmal genug Geld für die Beerdigung hinterlassen. Ich hatte noch eine Schwester Annette. Meine Mutter hat der Annette eine Eigentumswohnung im Wert von 100.000 Euro unter Nießbrauchsvorbehalt geschenkt. Da Annette an Krebs erkrankte und keine Kinder hatte, schenkte sie die Eigentumswohnung Ihrem Ehemann Franz. Annette starb und wurde vom Staat beerbt, weil ihr Mann und wir anderen Verwandten die überschuldete Erbschaft ausschlugen. Ich bin das einzige Kind und müsste doch einen Pflichtteil von 50.000 bekommen. Aber von wem?

Antwort: Sie können in Ihrem Fall ihren „Pflichtteil“, der richtigerweise Pflichtteilsergänzungs-Haftungsanspruch heißen müsste von ihrem Schwager verlangen. Eigentlich hätte sich Ihr Anspruch zunächst gegen den Nachlass gerichtet. Dieser ist aber Null. Danach hätte sich ihr Anspruch gegen Ihre Schwester gerichtet, diese hat aber die Eigentumswohnung gleich weiter geschenkt, nämlich an Ihren Schwager. Folglich richtet sich Ihr Anspruch gegen den Schwager.

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