Pflichtteil: Sind nichteheliche Kinder pflichtteilsberechtigt?

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[ 18.07.2015 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Ja, ohne Wenn und Aber. Die Pflichtteilsansprüche und -rechte von nichtehelichen und ehelichen Kindern sind identisch.

Das war nicht immer so. Es galt schon immer, dass von den Abkömmlingen nur die diejenigen pflichtteilsberechtigt sind, welche zur gesetzlichen Erbfolge berufen sein würden. Die gesetzliche Erbfolge richtet sich nach § 1924 BGB. Danach sind gesetzliche Erben die Kinder und die entfernteren Abkömmlinge (= Deszendenten) des Erblassers. „Uneheliche“ Kinder galten aber bis 1970 ihrem Vater gegenüber als nicht verwandt:

§ 1589 Abs. 2 BGB alte Fassung: Ein uneheliches Kind und dessen Vater gelten als nicht verwandt. 

Somit hatten sie ihm gegenüber kein gesetzliches Erbrecht und damit auch kein Pflichtteilsrecht. 

Gegenüber der Mutter hatte das nichteheliche Kind schon immer ein gesetzliches Erb- und Pflichteilsrecht. 

§ 1705 BGB alte Fassung: Das uneheliche Kind hat im Verhältnis zu der Mutter und zu den Verwandten der Mutter die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes.

Der Erbe des nichtehelichen Vaters hatte damals des Recht den Unterhaltsanspruch des nichtehelichen Kindes abzufinden, und zwar mit einer Zahlung, die dem gedachten Pflichtteil des Kindes, wenn es ehelich gewesen wäre, entsprach (§ 1712 BGB a.F.).


Das ist aber alles Rechtsgeschichte. Ein Blick ins heutige Gesetz zeigt:

§ 1589 BGB Verwandtschaft heutige Fassung

(1) Personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader Linie verwandt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten.

(2) (weggefallen)

§ 1589 Abs. 2 BGB alte Fassung wonach das nichteheliche Kind als nicht mit dem Vater galt, ist weggefallen.

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