Pflichtteil trotz Ausschlagung der Erbschaft?

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Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

1. Bekomme ich den Pflichtteil, wenn ich die Erbschaft oder den Erbteil ausschlage?

Das kommt darauf an. Grds. verlieren sie mit der Ausschlagung des Erbteils auch den Pflichtteil. Es gibt aber Ausnahmefälle, die gar nicht so selten sind, bei denen sie nach der Ausschlagung des Erbteils den Pflichtteil verlangen können.

Beispiel Verlust des Pflichtteils:

Die verwitwete Mutter M hat die beiden einzigen Kinder A und B zu je 1 / 2 als Erben eingesetzt. Sonst ist im Testament nichts angeordnet. A möchte mit B nicht in einer Erbengemeinschaft sein. A hat gehört, dass er den Pflichtteil verlangen könnte, wenn er den Erbteil ausschlägt. Diese Information wäre richtig gewesen, wenn der halbe Erbteil von A „belastet“ gewesen wäre. Eine solche „Belastung“ eines Erbteils liegt vor, wenn er entweder mit einem Vermächtnis beschwert ist oder z.B. durch Testamentsvollstreckung beschränkt ist. Das ist in unserem Beispiel aber gerade nicht der Fall. A hat einen unbelasteten Erbteil geerbt. Wenn A seinen unbelasteten Erbteil ausschlägt, verliert er auch den Pflichtteil.

Beispiel Pflichtteil trotz Ausschlagung:

Hat die Witwe im Beispiel die Kinder A und B zu je 1 / 2 als Erben eingesetzt und zusätzlich ein Vermächtnis i.H.v. 5000 € ausgesetzt, z.B. zu Gunsten eines Kinderheims oder der Kirche, dann ist der Erbteil belastet. Jetzt kann A  den belasteten Erbteil ausschlagen und trotz der Ausschlagung den Pflichtteil von 1 / 4 verlangen. Richtigerweise müsste man sagen, dass er den Pflichtteil nicht trotz, sondern hier gerade wegen der Ausschlagung verlangen kann.

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