Retrograde Bewertungsmethode rechnet rückwärts bei Unternehmen

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Gerhard Ruby ist Focus-Topanwalt für Erbrecht 2020

 

Retrograde Bewertungsmethode bei der Erbschaftsteuer

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Die retrograde Bewertung ist ein Bewertungsverfahren bei der Bewertung des Substanzwerts eines Unternehmens, mit dem sich die  für die Erbschaftsteuer maßgeblichen Anschaffungskosten rückwärts aus dem Verkaufspreis errechnen lassen. Sie ist dann anzuwenden wenn ein aktueller Wiederbeschaffungswert oder Wiederherstellungskosten für bestimmte Gegenstände des Umlaufvermögens nicht vorliegt.

Von den gegebenen Verkaufspreisen wird die durchschnittliche Rohgewinnspanne abgezogen, so dass die Anschaffungskosten als Restwert übrig bleiben. Eventuell im Einkauf erhaltene Preisnachlässe sind ebenfalls zu beachten und wirken sich mindernd auf die Anschaffungskosten aus.

Beispiel:

Im Nachlass eines Unternehmens (Buchgeschäftes) befindet sich  noch alte Lagerbestände an Literatur, die allenfalls noch antiquarisch zu verkaufen sind. Der Erblasser hatte sie für 100.000 Euro eingekauft. Er wollte sie damals für 200.000 Euro verkaufen, was aber nicht gelang. Die Altliteratur wird für 47.600 Euro verkauft. Hiervon sind abzuziehen die Mehrwertsteuer, so dass 40.000 Euro verbleiben. Vom Nettogewinn ist ein Rohgewinnsatz abzuziehen, der hier zutreffend 25 % betragen soll, so dass ein gemeiner Wert von 30.000 Euro verbleibt, der der Erbschaftsbesteuerung zugrunde zu legen ist, weil es für die Ladenhüter keinen objektiven Wiederbeschaffungswert gibt. Der gemeine Wert gibt den Wert wieder den ein gedachter  Käufer der Buchhandlung für die alten Bücher zahlen würde. Er will ja noch etwas verdienen.

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