ROK BGB § 2320 BGB Pflichtteilslast des an die Stelle des Pflichtteilsberechtigten getretenen Erben

  1. Startseite
  2. R
  3. ROK BGB § 2320 BGB Pflichtteilslast des an die Stelle des Pflichtteilsberechtigten getretenen Erben

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

§ 2320 BGB Pflichtteilslast des an die Stelle des Pflichtteilsberechtigten getretenen Erben

(1) Wer anstelle des Pflichttelsberechtigten gesetzlicher Erbe wird, hat im Verhältnis zu Miterben die Pflichtteilslast und, wenn der Pflichtteilsberechtigte ein ihm zugewendetes Vermächtnis annimmt, das Vermächtnis in Höhe des erlangten Vorteils zu tragen.

(2) Das Gleiche gilt im Zweifel von demjenigen, welchem der Erblasser den Erbteil des Pflichtteilsberechtigten durch Verfügung von Todes wegen zugewendet hat.

Erläuterung:

1. § 2320 regelt für das Verhältnis der Miterben untereinander, dass die Pflichtteilslast von demjenigen Miterben zu tragen ist, der den Erbteil erhalten hat, der nach den gesetzlichen Erbfolge eigentlich dem Pflichtteilsberechtigten zustand. Nach außen haften die Miterben also weiterhin als Gesamtschuldner, so dass der Pflichtteilsberechtigte jeden in Anspruch nehmen kann. Im Innenverhältnis besteht aber eine Verpflichtung des vorgenannten Miterben gegenüber den anderen Miterben, dass er den Pflichtteilsberechtigten befriedigt. Wurde der Pflichtteilsanspruch aus dem ungetelten Nachlass befriedigt, entsteht ein entsprechender Ausgleichungsanspruch der Mitrerben, der bei der Erbauseinandersetzung zu berücksichtigen ist.

2. Das Gesetz unterscheidet zwei Fälle, nämlich (a) ob der Miterbe anstelle des Pflichtteilsberechtigten gesetzlicher Miterbe wurde oder ob (b) seine Miterbenstellung auf einer Verfügung von Todes wegen beruht.

a) Beispiel für (a): Der Erblasser hinterlässt K1 und K2. K1 ist enterbt, hat aber ein Kind E (wie Enkel), das anstelle von K1 gesetzlicher Erbe wird. Es erben E1 und K2 zu je 1/2. E1 hat im Innenverhältnis zu K2 die Pflichtteilslast hinsichtlich K1 alleine zu tragen.

b) Beispiel für (b): Wird der „gedachte“ gesetzliche Erbanteil einem anderen als dem gesetzlichen Erben durch Verfügung von Todes wegen zugewandt, so hat dieser Ersatzmann im Innenverhältnis der Miterben „im Zweifel“ die Pflichtteilslast alleine zu tragen. Es handelt sich („im Zweifel“) nur um eine Auslegungsregel. Kommt man im Wege der Testamentsauslegung zu einem anderen Willen des Erblassers, gilt dieser.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Rangfolge der Unterhaltsberechtigten: Eltern und Großeltern als Schlusslicht

Rangfolge der Unterhaltsberechtigten: Eltern und Großeltern als Schlusslicht. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Rangfolge der Unterhaltsberechtigten: Eltern und Großeltern als Schlusslicht Auch Kinder haften für die Eltern, jedenfalls dann, wenn es um den Elternunterhalt geht. Nach dem Gesetz sind die Kinder für die Eltern, aber auch Großeltern unterhaltspflichtig. Diese Unterhaltspflicht kann dann für die Kinder schmerzlich…

Wann macht eine Pflichtteilsklausel im Testament Sinn?

Druckansicht öffnen  [ 27.12.2015 ] Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Meiner Meinung nach immer, vor allem in Berliner Testamenten, in denen sich die Eheleute zunächst gegenseitig zu Erben einsetzen und die Kinder zu Schlusserben nach dem Tod des überlebenden Ehegatten. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kinder bei einem Berliner Testament nach dem Tod…

2,6 Billionen Euro gehen in Deutschland an die nächste Generation

2,6 Billionen Euro gehen in Deutschland an die nächste Generation. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby 2,6 Billionen Euro gehen in Deutschland an die nächste Generation Ausweislich einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge sollen zwischen 2010 und 2020 rund 2,6 Billionen Euro von einer Generation auf die nächste übergehen, und zwar durch Vermögensübergang unter Lebenden…

Menü