Stiftung: Gehen die Erben wirklich stiften?

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Stiftung

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Als Stiftung bezeichnet man zweierlei, nämlich

  • einmal das Stiftungsgeschäft, d.h. den Vorgang, der zur Errichtung der Stiftung führt. Die Stiftung kann unter Lebenden oder von Todes wegen (in einem Testament) errichtet werden.
  • zum anderen die Stiftung selbst, als eine vom Stifter zugunsten eines bestimmten Zwecks bereitgestellte Vermögensmasse, die keiner natürlichen Person gehört („Die Stiftung gehört sich selbst“).

Die Einbringung von Vermögen in eine neu errichtete oder bereits bestehende Stiftung unterliegt grundsätzlich (Ausnahme: gemeinnützige Stiftung und Familienstiftung, s.u.) der Schenkungsteuer. Die Besteuerung erfolgt nach der ungünstigsten Erbschaft- bzw. Schenkungsteuerklasse III, d.h.

  • mit einem Freibetrag von nur 20.000 Euro
  • und mit einer Besteuerung des über dem Freibetrag liegenden Zuwendungswertes mit 30 bis 50 Prozent

Das gilt auch dann, wenn der Zuwendende bei einer Familienstiftung deren einziger Begünstiger ist.

Der Ertrag, den die Stiftung erzielt unterliegt der Körperschaftsteuer und beim Betrieb eines Gewerbes auch noch der Gewerbesteuer.

Ausnahme: Gemeinnützige Stiftungen sind hinsichtlich Zuwendungen von der Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit.

Spenden in den Vermögensstock einer gemeinnützigen Stiftung (oder einer Stiftung des öffentlichen Rechts) können auf Antrag des Steuerpflichtigen im Spendenjahr und in den folgenden neun Jahren bis zu einem Gesamtbetrag von 1 Million Euro als Sonderausgaben einkommensteuermindernd abgezogen werden.

Ausnahme Familienstiftung: Hier wird  bei der Errichtung die Steuerklasse zugrunde gelegt, die zwischen dem Stifter und dem entferntesten Begünstigten gilt; sind also nur der Ehegatte und Abkömmlinge Begünstigte, gilt die Schenkungsteuerklasse I.

Ansonsten gilt hier die sog. Erbersatzbesteuerung: Hier wird alle dreißig Jahre der Erbfall unterstellt, wobei ein doppelter Kindschaftsfreibetrag (derzeit also 800.000 Euro) gewährt wird. Es wird der Steuersatz für die Besteuerung zugrunde gelegt, der für die Hälfte des zu versteuernden Vermögens in der Erbschaftsteuerklasse I gelten würde.

 

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