Teilungsanordnung will Gleichbehandlung der Erben

  1. Startseite
  2. T [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Teilungsanordnung will Gleichbehandlung der Erben

Teilungsanordnung will Gleichbehandlung der Erben. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht, Konstanz, Radolfzell, Rottweil, Villingen-Schwenningen.

Teilungsanordnung will Gleichbehandlung

Eine Teilungsanordnung kann nach § 2048 BGB vom Erblasser im Testament verfügt werden, wenn mehrere Personen Erben werden. Mit der Teilungsanordnung trifft der Erblasser im Testament oder Erbvertrag eine Anordnung, wie ein oder mehrere Nachlassgegenstände bei der Auseinandersetzung unter den Miterben verteilt werden sollen.

 1. Grundsätze

Die Teilungsanordnung stellt kein Vermächtnis dar. Sie beeinflusst die Erbquoten nicht. Ist der Wert eines zugewiesenen Gegenstands höher als die Erbquote des Bedachten, besteht eine Ausgleichspflicht gegenüber den Miterben. Mit der Teilungsanordnung wird also keiner der Miterben bevorzugt.

Die Teilungsanordnung führt nicht unmittelbar einen Eigentumsübergang auf den bedachten Miterben herbei, sondern begründet schuldrechtliche Ansprüche zwischen den Miterben auf Vornahme einer entsprechenden Auseinandersetzung.

Die Erben können sich einvernehmlich über die Teilungsanordnung hinwegsetzen.

2. Abgrenzung zum Vorausvermächtnis

Will der Erblasser einzelne Nachlassgegenstände (z.B. ein Haus oder ein Auto) einem der Miterben zuwenden, kann er dies mittels Teilungsanordnung oder Vorausvermächtnis tun. Während bei der Teilungsanordnung der betreffende Miterbe nicht wertmäßig bevorzugt werden soll erhält er den ihm zugedachten Gegenstand beim Vorausvermächtnis im Voraus, also vor der Teilung des Restnachlasses.

Beispiel: Sind die zwei Erben mit je einem 1/2 Erbteil bedacht und ist der Nachlass 100.000 Euro wert, führt die Zuwendung eines Autos im Wert von 20.000 Euro an einen Erben zu folgenden Unterschieden: – Liegt eine Teilungsanordnung vor erhält Erbe 1 das Auto im Wert von 20.000 Euro plus 30.000 Euro und Erbe 2 50.000 Euro. – Liegt hingegen ein Vorausvermächtnis vor erhält Erbe 1 das Auto vorab und die verbleibenden 40.000 Euro werden zu gleichen Teilen auf die Erben aufgeteilt. Jeder erhält also 40.000 Euro. Erbe 1 ist damit bevorteil (20.000 und 40.000 Euro) und Erbe 2 im Nachteil (nur 40.000 Euro).

Wie das Beispiel zeigt wird der Vorausvermächtnisnehmer gegenüber dem Adressaten der Teilungsanordnung objektiv bevorzugt und der Erblasser muss dies auch wollen.

Weitere Unterschiede:
  • Ein Vorausvermächtnis kann vor der Teilung des Nachlasses geltend gemacht werden, eine Teilungsanordnung nur im Rahmen der Auseinandersetzung.
  • Der Vorausvermächtnisnehmer kann das Vermächtnis ausschlagen und den Erbteil annehmen oder umgekehrt den Erbteil ausschlagen und das Vorausvermächtnis annehmen. Bei der Teilungsanordnung hat man nur die Möglichkeit den Erbteil mit Teilungsanordnung anzunehmen oder insgesamt ausschlagen.
  • Ein Vorausvermächtnis kann im Rahmen eines Ehegattentestamentes oder Erbvertrages Bindungswirkung erlangen, eine Teilungsanordnung nicht. Der überlebende Ehegatten kann also ein Vorausvermächtnis nicht mehr abändern, sehr wohl aber eine Teilungsanordnung, die auch noch nachträglich vom überlebenden Ehegatten verfügt werden kann.
3. Erbschaftsteuer

Für die Ermittlung der Erbschaftsteuer sind die Teilungsanordnungen unbeachtlich (R 5 I ErbStR).

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1 Stunde in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Testament: Unterschied zwischen einer Bedingung und einer Auflage

Testament: Unterschied zwischen einer Bedingung und einer Auflage. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Was ist der Unterschied zwischen einer Bedingung und einer Auflage? Die Bedingung ist ein zukünftiges, ungewisses Ereignis. Ein Vermächtnis, das  der Bedachte nur unter einer Bedingung erhält, entsteht erst („fällt erst an“, wie der Jurist sagt), wenn die Bedingung eintritt. Das Vermächtnis ist…

Baden-Württemberg: Zentrale Grundbuchämter ersetzen Gemeinden

Baden-Württemberg: Zentrale Grundbuchämter ersetzen Gemeinden

Was ist eine „dauernde Last“?

Was ist eine „dauernde Last“? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Was ist eine „dauernde Last“? Dauernde Last“ ist ein Begriff aus dem Einkommensteuerrecht: 1. Einführung ohne Juristendeutsch Bei der Übertragung von Betriebsvermögen wird oft eine Versorgungsleistung vereinbart, die der Übernehmer an den Übergeber erbringen muss. Beliebt sind monatliche Zahlungen. Diese Zahlungen sind in der Einkommensteuer…

Menü