Testament: Wo kommt das Wort „Testament“ eigentlich her? Oder: Was haben Testamente und Hoden gemeinsam?

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Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Dass die Hoden = Testikel = lat. testis und  das Testament gleicher sprachlicher Herkunft sein könnten, fiel mir durch dieses Zitat auf:

„Um echt zu sein, braucht ein Mann „Cojones“. Und das nicht nur in klassischen Westernfilmen. Immerhin werden neunzig Prozent des Sexualhormons Testosteron in den Hoden gebildet. Die beiden „Anhängsel“ als Sitz der Männlichkeit? Oder zumindest der maskulinen Ehre? Unsere biblischen Vorfahren scheinen dieser Ansicht gewesen zu sein. Sie hielten beim Schwören eines Eides ihre Hände über die Testikel eines Zeugen, um Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bekräftigen. Was sich noch heute in Begriffen wie „Testifikat“ und „Testament“ niederschlägt.“ (aus Inez Krebs, 50 Einfache Dinge).

Der sprachhistorische Hintergrund könnte folgender sein: Da für das Volk Israel Fruchtbarkeit von entscheidender Bedeutung war, sah man die männlichen Geschlechtsorgane als unverletzlich, fast als heilig an. Als zum Beispiel Abraham seinen Knecht aussandte, um eine passende Frau für seinen Sohn Isaak zu finden, forderte er ihn auf, einen heiligen Schwur abzulegen.

Eines Tages sagte er zu seinem ältesten Knecht, der seinen ganzen Besitz verwaltete: »Leg deine Hand zwischen meine Beine und schwöre mir! Versprich mir beim Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde, dass du für meinen Sohn Isaak keine Frau auswählst, die hier aus dem Land Kanaan stammt.  (1. Mose 24, 2-4, Bibelübersetzung der Gute Nachricht Bibel)

Also legte der Diener seine Hand zwischen Abrahams Beine (eine Umschreibung für die Geschlechtsorgane) und schwor zu Gott, er werde dafür sorgen, dass sein Sohn keine Nicht-Jüdin heiraten müsse. Die Berührung des Zeugungsgliedes als »Quelle des Lebens« gibt dem Eid eine besondere Verbindlichkeit, und zwar besonders im Blick auf das nahe Ende Abrahams. Entsprechend in 1. Mose 47,29 bei Jakob:

„Als er sein Ende nahen fühlte, ließ er seinen Sohn Josef rufen und sagte zu ihm: »Wenn du gut zu mir sein willst, dann leg deine Hand zum Schwur zwischen meine Beine. Erweise mir Güte und Treue und begrabe mich nicht in Ägypten!“ (Übersetzung der Gute Nachricht Bibel).

Dieses Ritual ist einem Brauch der alten Römer ähnlich, wo man die Hoden berührte, während man einen Schwur tat. Das lateinische Wort „testis“ („Zeuge der Wahrheit“) ist noch heute in unserem medizinischen Begriff für Hoden (Testis) enthalten.

 

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