Testamentsvollstreckung spart Ärger und Geld

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Testamentsvollstreckung spart Ärger und Geld. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Testamentsvollstreckung spart Ärger und Geld

Frage: Herr Rechtsanwalt Ruby, wann ist die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers sinnvoll?

Ruby: Immer dann, wenn die Verhältnisse problematisch sind.

  • Wenn Sie mehrere Erben haben, die sich nicht gut untereinander verstehen, macht die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers, der die Teilung vornehmen soll, immer Sinn. Dadurch wird z.B. verhindert, dass das Familienheim von einem der Miterben versteigert werden kann.
  • Sinnvoll ist die Testamentsvollstreckung aber auch dann, wenn z.B. der überlebende Ehegatte mit einer starken Rechtsmacht ausgestattet werden soll, um den Nachlass, den er zusammen mit den Kindern geerbt hat, zu verwalten.
  • Das gleiche gilt, wenn man im Testament ein Vermächtnis zugewendet hat (z.B. soll jemand ein Haus erhalten) und der Vermächtnisempfänger sich als Testamentsvollstrecker das Vermächtnis selbst aus dem Nachlass soll entnehmen können. Er kann dann das Haus selber auf sich umschreiben, ohne die Erben fragen zu müssen.
  • Die Testamentsvollstreckung kann aber auch ein Schutz vor Gläubigern des Erben sein, die auf den Nachlass zugreifen wollen (z.B. das Sozialamt bei Sozialhilfebeziehern oder das Arbeitsamt bei Arbeitslosengeld-II-Beziehern).
  • Sinnvoll ist die Testamentsvollstreckung aber auch immer dann, wenn der Testamentsvollstrecker die Erbschaft für längere Zeit verwalten soll, z.B. für minderjährige Kinder und Kinder, die einfach nicht mit Geld umgehen können.
Frage: Macht es Sinn, eines der Kinder zum Testamentsvollstrecker einzusetzen?

Ruby: Das ist zwar grds. möglich, ich rate aber davon ab. Es sollte sich um eine neutrale Person handeln, die juristische Kenntnisse besitzt, die Testamentsvollstrecker wird. Am besten ein Fachanwalt für Erbrecht. Im Bereich der Testamentsvollstreckung wird von Laien vieles falsch gemacht. Vor allem aber provoziert die Einsetzung eines Kindes Streit, weil die anderen Geschwister dann oft neidisch und misstrauisch auf den Testamentsvollstrecker, der viel Rechtsmacht besitzt, reagieren. Testamentsvollstrecker sollte ein erfahrener Anwalt sein.

Frage: Kann man auch mehrere Testamentsvollstrecker einsetzen?

Ruby: Ja, man spricht dann von Mitvollstreckern. Das macht Sinn, wenn sich die Testamentsvollstrecker gegenseitig kontrollieren oder unterstützen sollen. Grds. würde ich einen einzelnen Testamentsvollstrecker aber immer vorziehen.

Frage: Wie setzt man einen Testamentsvollstrecker ein?

Ruby: Im Testament. Man kann die Aufgaben des Testamentsvollstreckers darin genau festlegen, wenn man möchte. Der Testamentsvollstrecker hat dann diese Anordnungen auszuführen. Ohne genaue Anordnungen wickelt er den Nachlass ab. Man sollte den Testamentsvollstrecker mit Namen im Testament benennen. Ansonsten bestimmt das Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker. Sinnvoll ist auch die Benennung eines Ersatzmannes oder einer Ersatzfrau, wenn der eigentlich vorgesehene Testamentsvollstrecker ausfällt, z.B. weil er das Amt nicht annimmt.

Frage: Reicht es aus, wenn man in das Testament nur schreibt, dass jemand Testamentsvollstrecker sein soll oder muss man auch schreiben, was der Testamentsvollstrecker tun soll?

Antwort: Es reicht aus, nur Testamentsvollstreckung anzuordnen. Dann wickelte der Testamentsvollstrecker den Nachlass ab. Er muss bei dieser „Abwicklung“ aber nach dem Gesetz vorgehen. Das führt normalerweise dazu, dass der Nachlass verkauft wird. Der Verkaufserlös wird dann geteilt.

Wenn ein Erblasser genau weiß, was er hinsichtlich des Nachlasses oder bestimmter Gegenstände aus dem Nachlass will, sollte er im Testament dem Testamentsvollstrecker klare Anordnungen erteilen. Wenn solche klaren Vorstellungen fehlen – was sehr oft der Fall ist – rate ich dazu, im Testament zu bestimmen, dass der Testamentsvollstrecker den Nachlass nach seinem billigen Ermessen auseinandersetzen soll. Der Testamentsvollstrecker hat dann den Nachlass gerecht, aber auch wirtschaftlich sinnvoll, zu teilen. Ihm wird eine größere Handlungsmöglichkeit eingeräumt, als wenn er stur nach dem Gesetz abwickeln muss, was zum Verkauf des Nachlasses führt.

Frage: Können die Erben dem Testamentsvollstrecker befehlen, was er zu tun hat?

Ruby: Nein. Testamentsvollstrecker ist an die Anordnungen des Erblassers gebunden, er ist nicht Handlanger der Erben.

Frage: Können die Erben vom Testamentsvollstrecker die Erbschaft herausverlangen?

Ruby: Zunächst einmal nicht. Den Erben ist nämlich die Verfügungsgewalt über den Nachlass entzogen, wenn Testamentsvollstreckung besteht. Normalerweise hat aber der Testamentsvollstrecker den Nachlass abzuwickeln, also zu teilen. Er muss dann den Nachlass geteilt an die Erben herausgeben. Dazu stellt er einen Teilungsplan auf. Vor der Erbteilung hat er allerdings das herauszugeben, was er zur Ausführung der Testamentsvollstreckung nicht benötigt. Bei einer Verwaltungsvollstreckung, bei der Testamentsvollstrecker über mehrere Jahre hinweg den Nachlass verwaltet, können die Erben natürlich nicht die Herausgabe des Nachlasses verlangen.

Frage: Ist die Testamentsvollstreckung nicht teuer?

Ruby: Sie ist in der Regel nicht billig. Die Kosten sind aber gut angelegtes Geld. Ein Erbstreit, der vor Gericht ausprozessiert wird, kostet die Erben erheblich mehr Geld. Die Kosten der Testamentsvollstreckung belaufen sich auf  mindestens 1 bis 4 % des Nachlasswertes. Je nach Schwierigkeitsgrad können sich die Kosten die Kosten bei einer extrem schweren und langwierigen Testamentsvollstreckung verdreifachen. Mehr geht nicht. Beispielsweise kostet die einfache Testamentsvollstreckung für die Abwicklung eines 333.333 € werten Nachlasses 10.000 € (3 %), die bei einem Nachlass von 600.000 Euro 15.000 Euro. Die Kosten eines Prozesses bei einem Gegenstandswert von 600.000 in einer Instanz 39.000 Euro und wenn es in die zweite Instanz geht schon 82.000 Euro, und wird gar über drei Instanzen prozessiert 139.000 Euro.

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