Was ist eigentlich ein Erbschein? Warum gibt es ihn?

  1. Startseite
  2. E [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Was ist eigentlich ein Erbschein? Warum gibt es ihn?

Was ist eigentlich ein Erbschein? Warum gibt es ihn? Erklärt von Fachanwalt für Erbrecht Gerhard Ruby. Konstanz, Radolfzell, Rottweil, Villingen-Schwenningen.

Was ist ein Erbschein?

Der Erbschein ist eine Bescheinigung über die Stellung als Erbe. Er wird vom Nachlassgericht (beim zuständigen Amtsgericht) erteilt. Er ist ein amtliches Zeugnis für den Erben. Außerdem wird im Erbschein angegeben ob der Erbe durch eine Testamentsvollstreckung oder eine Nacherbschaft eingeschränkt ist. So wie man für das Autofahren einen Führerschein benötigt, braucht man einen Erbschein, um sich gegenüber Banken, Versicherungen, dem Grundbuchamt und sonstigen Personen als Erbe auszuweisen. Der Erbschein ist allerdings kein Urteil. Er ist vielmehr eine Art gutachterliche Bescheinigung des Nachlassgerichtes. Der Erbe beantragt beim Nachlassgericht einen Erbschein. Damit wird das Erbscheinsverfahren in Gang gesetzt. Das Nachlassgericht überprüft dann, ob der Erbe wirklich Erbe ist. Kommt es zum Ergebnis, dass nichts gegen die Erbenstellung des Antragstellers spricht, erteilt es den Erbschein. Es ist aber immer denkbar, dass -vielleicht nach vielen Jahren – ein Testament des Verstorbenen auftaucht, dass ganz andere Erben vorsieht, als der Erbschein. Daher ist ein Erbschein nie endgültig. Er erwächst nicht in Rechtskraft, wie die Juristen sagen. Ein Urteil erwächst in Rechtskraft und ist dann unumstößlich. Das ist beim Erbschein nicht der Fall. Der Erbschein ist immer nur ein Art gutachterliche Bescheinigung, die allerdings mit der besonderen Autorität des Nachlassgerichts ausgestattet ist. Der Erbschein ist also keine endgültige Garantie für den darin als Erben Benannten. Es ist immer denkbar, dass er sich nachträglich als unrichtig herausstellt. Dann wird er vom Nachlassgericht eingezogen.

Man darf im Rechtsverkehr allerdings auf einen Erbschein vertrauen. Wird der Erbschein der Bank oder dem Grundbuchamt vorgelegt, darf der Bankmitarbeiter oder der Rechtspfleger beim Grundbuchamt darauf vertrauen, dass das was im Erbschein steht richtig ist.

Der Erbschein kam erst Ende des 18. Jahrhunderts in Preußen auf. Ein Erbschein nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kann übrigens nur erteilt werden, wenn der Erbfall ab dem 1.1.1900 eingetretenn ist. Für die Zeit davor gelten die alten Landesrechte.

RUBY. Die Kanzlei für Erbrecht. Wir machen nur Erbrecht. Tel.: 07721 9930505

Das könnte Sie auch interessieren

Wann wird ein hinterlegtes Testament eröffnet?

Wann wird ein hinterlegtes Testament eröffnet?

Muss Testamentsvollstrecker Nachlassverzeichnis unverzüglich mitteilen?

Muss Testamentsvollstrecker Nachlassverzeichnis unverzüglich mitteilen?

Horrorbesteuerung einer deutsch-französischen Erbschaft mit 72 Prozent

Horrorbesteuerung einer deutsch-französischen Erbschaft mit 72 Prozent

Menü