Gibt es rechtliche Fiktionen auch im Erbrecht?

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Gibt es rechtliche Fiktionen auch im Erbrecht? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Auch wenn der Embryo im Zeitpunkt des Todes seines Vaters noch nicht geboren und damit nicht erbfähig war, fingiert das Gesetz den später lebend geborenen Säugling als bereits im Moment des Erbfalls geboren, damit er erben kann 

Was ist eine Fiktion? Gibt es Fiktionen auch im Erbrecht?

Fiktion

Von einer Fiktion spricht man, wenn ein Rechtssatz vorschreibt,

  • dass ein nicht vorhandener Tatumstand als vorhanden angenommen werden soll oder
  • dass ein vorhandener Umstand als nicht vorhanden angenommen werden soll.
Beispiel 1 :

Wird ein notarielles Testament aus der amtlichen Verwahrung genommen, fingiert der Gesetzgeber, dass der Erblasser dieses Testament widerruft. Die Widerrufswirkung der Rücknahme eines notariellen Testaments aus der amtlichen Verwahrung tritt wegen der gesetzlichen Fiktion der Widerrufsabsicht unabhängig von dem Willen des Erblassers ein.

§ 2256 BGB Widerruf durch Rücknahme des Testaments aus der amtlichen Verwahrung
   (1) Ein vor einem Notar oder nach § 2249 errichtetes Testament gilt als widerrufen, wenn die in amtliche Verwahrung genommene Urkunde dem Erblasser zurückgegeben wird. Die zurückgebende Stelle soll den Erblasser über die in Satz 1 vorgesehene Folge der Rückgabe belehren, dies auf der Urkunde vermerken und aktenkundig machen, dass beides geschehen ist.
   (2) Der Erblasser kann die Rückgabe jederzeit verlangen. Das Testament darf nur an den Erblasser persönlich zurückgegeben werden.
   (3) Die Vorschriften des Absatzes 2 gelten auch für ein nach § 2248 hinterlegtes Testament; die Rückgabe ist auf die Wirksamkeit des Testaments ohne Einfluss.

Beispiel 2:

Die wohl berühmteste gesetzliche Fiktion im Erbrecht ist die, dass ein Säugling, der im Zeitpunkt des Erbfalls noch im embryonalen Stadium war, als schon im Zeitpunkt des Erbfalls geboren gilt, damit er erben kann, insbesondere auch nach dem vor der Geburt verstorbenen Vater (sog. nasciturus).

§ 1923 BGB Erbfähigkeit
(1) Erbe kann nur werden, wer zur Zeit des Erbfalls lebt.
(2) Wer zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, gilt als vor dem Erbfall geboren.

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