Was ist Vor- und Nacherbschaft?

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[ 21.07.2014 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Der Erblasser kann einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst erbe wird, nachdem zuvor ein anderer Erbe geworden ist. Jener Erbe ist dann Nacherbe und dieser Erbe ist dann Vorerbe des Eblassers. Dies bedeutet, dass der Vorerbe den ererbten Nachlass an den als Nacherben bestimmten Erben herauszugeben hat.

Sinn und Zweck der Vor- und Nacherbschaft ist die Steuerungsmöglichkeit des Vermögensflusses über mehrere Erbfälle hinweg. Der Erblasser kann so selbst bestimmen, wer nach dem Zuerstbedachten das Vermögen als Nächster erhält.

Die Anordnung der Vorerbschaft führt dazu, dass sich bei dem Vorerben zwei verschiedene Vermögensgruppen bilden. Zum einen das eigene Vermögen des Vorerben, das er schon immer hatte, und zum anderen das vom Erblasser ererbte Vermögen als Sondervermögen. Mit Eintritt des Nacherbfalls ist das Sondervermögen an den oder die Nacherben herauszugeben.

Durch die Trennung des Vorerbenvermögens vom Eigenvermögen bietet sich die Vor- und Nacherbschaft zur Vermeidung von Pflichtteilansprüchen naher Verwandter an. Haben Eheleute zum Beispiel Kinder aus erster Ehe und will der jeweilige Ehepartner nicht, dass die Kinder des anderen Ehepartners von seinem Nachlass etwas bekommen, dann können sie anordnen, dass sich die Eheleute jeweils nur zu Vorerben und die Kinder aus der vorangegangenen Ehe als Nacherben einsetzen. Dies gilt auch für die Pflichtteilansprüche gemeinsamer Kinder.

Gleichfalls dient die Einsetzung eines Nacherben auch dem Schutz vor dem Zugriff von Gläubigern des Vorerben, da diesem zwar grundsätzlich die Nutzungen, nicht aber die Substanz zustehen. Die Gläubiger können also auf die Substanz der Vorerbschaft nicht zugreifen bzw. diese wegpfänden.

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