Wie unterscheiden sich Nachlassverwaltung und Nachlassinsolvenz hinsichtlich der Voraussetzungen?

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Nachlassverwaltung und Nachlassinsolvenz. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

1. Ist der Stand des Nachlasses nicht mit Sicherheit zu übersehen, nicht zahlungsunfähig und nicht überschuldet, so ist Nachlassverwaltung zu beantragen; ist dagegen die Überschuldung des Nachlasses offenbar oder der Nachlass zahlungsunfähig, so muss der Erbe bei eigener Haftung Nachlassinsolvenz beantragen.

2. Beim Vorhandensein mehrerer Erben kann die Anordnung einer Nachlassverwaltung von den Erben nur gemeinschaftlich beantragt werden. Die Nachlassverwaltung ist ausgeschlossen, wenn der Nachlass geteilt ist.

Die Nachlassinsolvenz dagegen wird auf Antrag auch nur eines Miterben eröffnet, soweit die Überschuldung oder die Zahlungsunfähigkeit bzw. die drohende Zahlungsunfähigkeit glaubhaft gemacht wird.  Die Nachlassinsolvenz ist auch noch nach der Teilung des Nachlasses zulässig; aber nur über den Gesamtnachlass, nicht über einen Erbteil.

3. Auf den Antrag eines Erben ist die Nachlassinsolvenz selbst dann noch zulässig, wenn der Erbe für die Nachlassverbindlichkeiten unbeschränkt haftet, nicht aber die Nachlassverwaltung.

4. Auf Antrag eines Nachlassgläubigers ist die Nachlassinsolvenz ohne weiteres, die Nachlassverwaltung nur unter den Voraussetzungen des § 1981 BGB zulässig.

§ 1981 BGB Anordnung der Nachlassverwaltung
   (1) Die Nachlassverwaltung ist von dem Nachlassgericht anzuordnen, wenn der Erbe die Anordnung beantragt.
   (2) Auf Antrag eines Nachlassgläubigers ist die Nachlassverwaltung anzuordnen, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die Vermögenslage des Erben gefährdet wird. Der Antrag kann nicht mehr gestellt werden, wenn seit der Annahme der Erbschaft zwei Jahre verstrichen sind.
   (3) Die Vorschrift des § 1785 findet keine Anwendung.

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