Dürfen Adelsbezeichnungen noch verliehen werden?

  1. Startseite
  2. A [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Dürfen Adelsbezeichnungen noch verliehen werden?
Adel

Dürfen Adelsbezeichnungen noch verliehen werden? Gibt es Vorrechte im Erbrecht? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Dürfen Adelsbezeichnungen noch verliehen werden? Gibt es Vorrechte im Erbrecht?

Die Weimarer Verfassung beendete 1919 die Privilegien des Adels

Nein. Alle öffentlichrechtlichen und privatrechtlichen Vorrechte des früheren Adelsstandes sind seit 1919 durch Art. 109 Abs. 3 der Weimarer Reichsverfassung aufgehoben worden.

Beseitigt wurden damit insbesondere folgende Privilegien:

  • Das Recht eigener Gesetzgebung (Autonomie), d.h. das Recht seine Angelegenheiten autonom zu regeln. Dies führte zu Hausgesetzen, das sind Relgeungen, die sich Familien des Hochadels gaben, um familien- und vermögensrechtliche Fragen zu regeln, z.B. die erbliche Thronfolge, die Volljährigkeit des Landesfürsten und die Familienfideikommisse, das waren adelige Einrichtungen des Erb- und Sachenrechts, wonach durch Stiftung das Vermögen einer Adelsfamilie, meist Grundbesitz, auf ewig geschlossen erhalten werden sollte und immer nur ein Familienmitglied allein, der Fideikommissbesitzer, das Nießbrauchsrecht innehatte.
  • die Befreiung von öffentlichen Pflichten, Lasten und Abgaben
  • der besondere Strafschutz
  • der besondere Gerichtsstand
  • das besondere Eheschließungs- und Ehescheidungsrecht

Adelsprädikate wie „von“, „Graf“, „Fürst“ gibt es seitdem nicht mehr. Diese früheren Adelsprädikate sind jetzt nur noch Bestandteil eines bürgerlichen Namens, da es rechtlich gesehen keine Adeligen mehr gibt, sondern nur noch Bürgerliche. 

Artikel 109 Weimarer Reichsverfassung

(1) Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich.
(2) Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
(3) Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.
(4) Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf bezeichnen; akademische Grade sind hierdurch nicht betroffen.
(5) Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht verliehen werden.
(6) Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel oder Orden annehmen.

In Österreich wurde der Adel 1919 mit dem Adelsaufhebungsgesetz (Gesetz vom 3. April 1919 über die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden) aufgehoben und das Führen der Adelstitel verboten. Hier wurden also die Adelsprädikate völlig abgeschafft und sind auch nicht mehr als Bestandteil des bürgerlichen Namens vorhanden.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1 Stunde in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Die treuwidrige Herbeiführung des Nacherbfalls gilt als nicht erfolgt

Die treuwidrige Herbeiführung des Nacherbfalls gilt als nicht erfolgt. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Die treuwidrige Herbeiführung des Nacherbfalls gilt als nicht erfolgt Frage: Mein Großvater hat meinen Bruder zum Vorerben und dessen Ehefrau zum Nacherben eingesetzt. Mein Bruder ist verstorben, weil meine Schwägerin ihn getötet hat, in dem sie ihn ins Konzentrationslager verbringen ließ,…

Vindikationslegat: Das Vermachte wird mit dem Tod direkt Eigentum

Vindikationslegat. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Vindikationslegat Das Vindikationslegat ist ein Vermächtnis in einer ausländischen Rechtsordnung, bei dem mit dem Tode des Erblassers der Gegenstand des Vermächtnisses aus dem Vermögen des Erblassers ohne Umweg über das Vermögen des Erben direkt in das Eigentum des Vermächtnisnehmers geht. Das Deutsche Recht kennt solche dinglich wirkenden Vindikationslegate nicht,…

Wodurch unterscheiden sich Einzelnachfolge und Gesamtnachfolge?

Einzelnachfolge und Gesamtnachfolge. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Einzelnachfolge (Singularzession) ist der Eintritt in einzelne Rechte und Verpflichtungen (z.B. Eigentumserwerb eines Autos). Gesamtnachfolge ist der Eintritt in die gesamte Rechtsstellung des Vorgängers (z.B. Erbfolge, bei der alle Rechte und Pflichten auf den Erben übergehen). Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall…

Menü