Grundstücksvermächtnis: Was passiert mit der Grundschuld und den Schulden?

  1. Startseite
  2. G [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Grundstücksvermächtnis: Was passiert mit der Grundschuld und den Schulden?

Grundstücksvermächtnis: Was passiert mit der Grundschuld und den Schulden?

Grundstücksvermächtnis: Was passiert mit der Grundschuld und den Schulden?

Als Grundstücksvermächtnis bezeichnet man ein Vermächtnis, bei dem Gegenstand des Vermächtnisses ein Grundstück ist. Der Vermächtnisnehmer hat einen schuldrechtlichen Anspruch auf Übertragung des Grundstücks, der sich regelmäßig gegen den Erben richtet. Der Erbe muss also das Grundstück auf den Vermächtnisnehmer übertragen. Das Grundstück wird aus dem Nachlass durch notariell zu beurkundenden Vermächtniserfüllungsvertrag übertragen. In diesem wird die Auflassung erklärt. Des weiteren ist die Eintragung des Eigentumswechsels im Grundbuch erforderlich.

Nach den gesetzlichen Vorschriften hat der Vermächtnisnehmer keinen Anspruch auf eine lastenfreie Übertragung des Grundstücks. Wenn also im Testament keine besonderen Regelungen getroffen sind, gilt folgender

  • Grundsatz: Der Vermächtnisnehmer muss die dingliche Belastung des Grundstücks dulden, haftet aber nicht für die Schuld des Erblassers.
  • Ist das Vermächtnisgrundstück mit einer Hypothek belastet und schuldet der Erblasser die durch die Hypothek abgesicherte Forderung persönlich, dann haftet der Vermächtnisnehmer dem Erben für die Erfüllung der Schuld, soweit der Wert des Grundstücks reicht.
  • Dies gilt grds. für Sicherungsgrundschulden entsprechend; jedoch dann nicht, wenn die Sicherungsgrundschuld eine  Forderung absichert, für die kein Bezug zum Grundstück besteht (ZEV 2008, 511)

Hat der Erblasser im Testament geregelt, dass der Grundstücksvermächtnisnehmer verpflichtet ist, die auf dem Grundstück lastende Sicherungsgrundschuld und die durch sie gesicherte Forderung zu übernehmen, ist folgendes zu beachten:

  • Der Erbe muss dem Vermächtnisnehmer die Eigentümerrechte und Rückgewährsansprüche an der Sicherungsgrundschuld abtreten
  • Der Vermächtnisnehmer muss die durch die Grundschuld gesicherten Verbindlichkeiten übernehmen, was in der Regel eine befreiende Schuldübernahme zwischen Erbe, Vermächtnisnehmer und Bank erfordert. Macht die Bank nicht mit, muss eine Erfüllungsübernahme zwischen Erbe und Vermächtnisnehmer vereinbart werden.


Ruby – Die Kanzlei für Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Das könnte Sie auch interessieren

Erbrecht bei Gütertrennung: Wenn sich die Frau mit jeder Geburt etwas enterbt

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Erbrecht bei Gütertrennung Die Gütertrennung ist einer der drei Güterstände des BGB. Je nach Güterstand ändert sich die gesetzliche Erbbeteiligung des überlebenden Ehegatten. Am meisten erbt der überlebende Ehegatte immer in der Zugewinngemeinschaft (immer 1/2 Erbteil neben Kindern ). Bei Gütertrennung erbt der überlebende Ehegatte nie weniger als eines der…

Wem gehört ein „Sparbuch“, das auf einen fremden Namen angelegt wurde?

„Sparbuch“, das auf einen fremden Namen angelegt wurde.  Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby „Sparbuch“, das auf einen fremden Namen angelegt wurde Das Sparbuch ist eine Urkunde über eine Spareinlage, die dem Einzahlenden von der Bank ausgehändigt wird und bei einer Verfügung über das Sparguthaben vorgelegt werden muss. Eine Besonderheit beim Sparbuch ist, dass die Bank an jeden das Sparbuch…

Datum im Testament: Ganz schön wichtig bei mehreren Testamenten

Datum im Testament: Ganz schön wichtig bei mehreren Testamenten

Menü