Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht

Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht., Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht

1. Gleichstellung nur für Erbfälle ab dem 29. Mai 2009

Endlich findet im Erbrecht die Ungleichbehandlung von ehelichen und nichtehelichen Kindern sein Ende. Am 24.02.2011 hat der Bundestag das „Zweite Gesetz zur erbrechtlichen Gleichstellung nichtehelicher Kinder, zur Änderung der Zivilprozessordnung und der Abgabenordnung“ beschlossen. Damit werden sämtliche Benachteiligungen vor dem 01.07.1949 geborener nichtehelicher Kinder auf dem Gebiet des Erbrechts vollständig aufgehoben, allerdings nur für Erbfälle ab  dem 29.05.2009

Die vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung war längst überfällig. Leider bleibt es aber für viele Betroffene bei Benachteiligungen. So gelten die neuen Regelungen nur, wenn der Erbfall nach dem 28.05.2009 eintrat. Für alle früheren Erbfälle bleibt es dagegen bei der bisherigen Rechtslage.

Die neuen Regelungen gelten nicht nur beim Tod des Vaters des nichtehelichen Kindes, sondern auch bei allen anderen Erbfällen in der Verwandtschaft des Kindes und des Vaters. Stirbt etwa das vor dem 01.07.1949 geborene nichteheliche Kind, ohne eigene Abkömmlinge zu hinterlassen, haben weitere Kinder des Vaters bzw. deren Abkömmlinge nun ein gesetzliches Erbrecht. Sogar wenn das nichteheliche Kind bereits vor dem 29.05.2009 verstorben war und nun ein Kind des nichtehelichen Kindes stirbt, wird dieses von den weiteren Kindern des Vaters gesetzlich beerbt und  umgekehrt.

2. Betroffene sollten handeln

Das Deutsche Forum für Erbrecht rät daher allen Familien, in denen es vor dem 01.07.1949 geborene nichtehelich Kinder gibt oder gab, die Auswirkungen der Gesetzesänderungen für den konkreten Fall überprüfen zu lassen. Dies gilt für beide Seiten, die potentiellen Erblasser und Erben. Erstere können durch entsprechende Testamentsgestaltung die gesetzliche Erbfolge vermeiden. Die potentiellen Erben wiederum sollten prüfen lassen, ob sie im konkreten Fall erbberechtigt sind. Sofern sie enterbt sind, können sie in bestimmten Fällen auch Pflichtteilsansprüche geltend machen. In beiden Fällen ist es ratsam frühzeitig Erbrechtsspezialisten heranzuziehen, primär Fachanwälte für Erbrecht, um Fehler zu vermeiden (Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen! – Erbrechtskanzlei RUBY).

Wichtig ist dies auch für einen Erbfall, der nach dem 28.05.2009 eintrat, wenn bereits eine rechtskräftige Entscheidung eines Gerichts ergangen ist, die auf der Anwendung des alten Rechts beruht. Denn diese kann abgeändert werden.

3. Hintergrund

Nach bisherigem Recht hatten nichteheliche Kinder, die vor dem 01.07.1949 geboren waren, nur dann ein gesetzliches Erb- und Pflichtteilsrecht, wenn der Vater zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands seinen Wohnsitz im Gebiet der Neuen Bundesländer hatte. Später geborene nichteheliche Kinder waren auch nach bisherigem Recht schon voll erb- und pflichtteilsberechtigt.

Nach dem nun vom Bundestag beschlossenen Gesetz wird dies anders: Auch nichteheliche Kinder, die bereits vor dem 01.07.1949 geboren wurden, und deren Väter sind demnach gegenseitig erb- und pflichtteilsberechtigt, wenn der Erblasser nach dem 28.05.2009 verstirbt. Gleiches gilt wechselseitig auch für die weiteren Verwandten der beiden. Entscheidend ist allein, dass der jeweilige Erbfall erst nach dem 28.05.2009 eintritt.

Ist der Erbfall bereits früher eingetreten, bleibt es bei der bisherigen Rechtslage. Nur wenn mangels Testaments und sonstiger Verwandter der Staat Erbe wurde, konnte das nichteheliche Kind von diesem Ersatz in Höhe des Wertes der ihm entgangenen erbrechtlichen Ansprüche verlangen.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Bauplatz als nachträglicher Lohn für kostenlose Pflege der Tochter?

Lohn für kostenlose Pflege. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Lohn für kostenlose Pflege Frage: Mein Bruder und ich sind die einzigen Kinder unserer verwitweten Mutter. Mutter gehört noch ein Bauplatz im Wert von 50.000 Euro. Ich habe mich viele Jahre um Mutter gekümmert. Für die Pflege meiner Mutter Geld zu verlangen, kam für mich nie in…

Wer ist bei der Pflichtteilsquote mitzuzählen und wer nicht?

Wer ist bei der Pflichtteilsquote mitzuzählen und wer nicht? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Wer ist bei der Pflichtteilsquote mitzuzählen und wer nicht? 1. Mitzuzählen sind diejenigen, die durch letztwillige Verfügung von der Erbschaft ausgeschlossen sind oder die Erbschaft ausgeschlagen haben oder für erbunwürdig erklärt sind, § 2310 BGB; 2. nicht mitzuzählen sind diejenigen, die…

Was ist eigentlich der „Härteausgleich“ in der Erbschaftsteuer?

„Härteausgleich“ in der Erbschaftsteuer. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby „Härteausgleich“ in der Erbschaftsteuer? Oder anders gefragt: Wenn ich 76.000 Euro statt 75.000 Euro zu versteuern habe (nach vorherigem Abzug der Freibeträge), muss ich dann wirklich 11 % also 8.360 Euro statt 5.250 Euro Erbschaftsteuer bezahlen? Dann hätte ich ja besser nur 75.000 Euro statt 76.000 Euro geerbt….

Menü