Erbantrittserklärung und Einweisung in österreichische Verlassenschaft bei deutschem Nachlassgericht?

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Erbantrittserklärung und Einweisung in österreichische Verlassenschaft bei deutschem Nachlassgericht?

Erbantrittserklärung und Einweisung in Verlassenschaft. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Erbantrittserklärung und Einweisung in Verlassenschaft bei deutschem Gericht?

Frage:
Mein Vater ist in Deutschland verstorben. Er war Österreicher. Er hat kein Testament hinterlassen. Er hat meine Stiefmutter 25 Jahre vor seinem Tod in Österreich geheiratet. Mein Vater hat nur Vermögen in Deutschland hinterlassen und hier nur bewegliches Vermögen, also keine Grundstücke. Sind meine Stiefmutter und ich jetzt Erben zu je 1/2?

Antwort:
Das wäre der Fall, wenn Ihr Vater Deutscher gewesen wäre und in Deutschland ohne Ehevertrag geheiratet hätte.

Ihr Vater ist aber Österreicher gewesen und hat in Österreich geheiratet. Nach österreichischem Erbrecht erbt der überlebende Ehegatte 1/3 und die Kinder 2/3.

Hinzu kommt, dass nach österreichischem Recht die Erbschaft nicht automatisch dem Erben anfällt, wenn der Erblasser gestorben ist, sondern erst bei Gericht angetreten werden muss. Sie können dabei einen bedingten oder einen unbedingten Erbantritt gegenüber dem Nachlassgericht erklären.

Die unbedingte Erbantrittserklärung ist die Annahme der Erbschaft ohne Haftungsvorbehalt. Der Erbe muss dann nicht nur mit der Erbschaft sondern auch mit seinem gesamten eigenen Vermögen für die Schulden des Erblassers geradestehen.

Der Erbe kann dieses Haftungsrisiko aber durch die Abgabe einer nur bedingten Erbantrittserklärung beschränken. Der Erbe haftet dann zwar ebenfalls mit seinem eigenen Vermögen, jedoch beschränkt auf den Wert der ihm zukommenden Erbschaft (die in Österreich übrigens „Verlassenschaft“ heißt).

Die bedingte Erbantrittserklärung ist aber  zwingend mit einer Inventarisierung des Nachlasses verbunden. Das Inventar ist ein  Verzeichnis des gesamten Vermögens des Erblassers zum Zeitpunkt seines Ablebens inklusive einer Bewertung der Nachlassgegenstände.

Das Risiko für die unübersehbaren Schulden des Erblassers mit seinem gesamten Vermögen zu haften, kann also durch die Abgabe einer bedingten Erbantrittserklärung ausgeschlossen werden. Allerdings kostet die Erstellung des dazu erforderlichen Inventars viel Zeit und Geld. Dennoch sollte eine unbedingte Erbantrittserklärung nur abgegeben werden, wenn der Erbe die Vermögensverhältnisse des Erblassers genaustens kennt.

Nach der Erbantrittserklärung muss eine Einweisung in die Erbschaft erfolgen, die sogenannte Einantwortung, die durch gerichtlichen Beschluss ausgesprochen wird. Erst nach der Einantwortung werden die Erben Rechtsnachfolger des Erblassers. Bis dahin „ruht“ die Erbschaft.

All diese Verfahrenshandlungen können nach Ansicht des Notariates II Villingen (= Nachlassgericht in Baden-Württemberg, sonst Amtsgerichte) auch vor einem deutschen Nachlassgericht vorgenommen werden, jedenfalls dann, wenn der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatte und die Einantwortung den in Deutschland belegenen beweglichen Nachlass betrifft.

Tipp: Lesen Sie den Beschluss des Notariats II Villingen vom 12. September 2012 – II NG 801 – in ZErb 2012, S. 339f.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Wer kann die Nachlassinsolvenz beantragen?

Druckansicht öffnen  [ 26.04.2014 ] Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Alleinerbe Miterb Vorerbe Nacherbe Erbschaftskäufer Nachlassverwalter Nachlasspfleger Testamentsvollstrecker jeder Nachlassgläubiger § 317 InsO Antragsberechtigte (1) Zum Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über einen Nachlaß ist jeder Erbe, der Nachlaßverwalter sowie ein anderer Nachlaßpfleger, ein Testamentsvollstrecker, dem die Verwaltung des Nachlasses zusteht, und jeder Nachlaßgläubiger berechtigt….

Kann ich für meine Eltern ein Testament machen?

Kann ich für meine Eltern ein Testament machen? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Kann ich für meine Eltern ein Testament machen? Nein, das geht nicht. Testamente müssen immer höchstpersönlich errichtet werden. Sie können also auch nicht das Testament niederschreiben und von den Eltern unterschreiben lassen. Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen…

Kann im Erbrecht noch altes Recht vor Inkrafttreten des BGB gelten?

Kann im Erbrecht noch altes Recht vor Inkrafttreten des BGB gelten? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Das BGB trat zum 1.1.1900 in Kraft  Kann im Erbrecht noch altes Recht vor Inkrafttreten des BGB gelten? Das ist dann der Fall, wenn der Erblasser vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs, also vor dem 1.1.1900 gestorben ist. Artikel…

Menü