Kann der Enkel den Pflichtteil verlangen, wenn er dem Enkelvater wirksam entzogen wurde?

Kann der Enkel den Pflichtteil verlangen. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Kann der Enkel den Pflichtteil verlangen?

Frage:

Meine Großmutter hat meinen Vater enterbt und wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten wirksam den Pflichtteil entzogen. Sie hat meinen Bruder zum Alleinerben eingesetzt. Habe ich jetzt einen Pflichtteilsanspruch?

Antwort: Ja, den haben Sie.

Nach ständiger Rechtsprechung besteht ein gesetzliches Erbrecht eines entfernteren Abkömmlings (z.B. Enkel) auch dann, wenn der nähere Abkömmling (z.B. Sohn) durch Verfügung von Todes wegen enterbt wurde. Für solche Fälle ist die Pflichtteilsberechtigung in § 2309 BGB geregelt:

§ 2309 BGB Pflichtteilsrecht der Eltern und entfernteren Abkömmlinge.
Entferntere Abkömmlinge und die Eltern des Erblassers sind insoweit nicht pflichtteilsberechtigt, als ein Abkömmling, der sie im Falle der gesetzlichen Erbfolge ausschließen würde, den Pflichtteil verlangen kann oder das ihm Hinterlassene annimmt.

Entferntere Abkömmlinge sind also nur insoweit nicht pflichtteilsberechtigt, als ein Abkömmling, der sie im Fall der gesetzlichen Erbfolge ausschließen würde, den Pflichtteil verlangen kann oder das ihm Hinterlassene annimmt. Im Umkehrschluss sind Sie als Enkel also pflichtteilsberechtigt, da der Vater, der sie im Falle der gesetzlichen Erbfolge ausschließen würde, wegen der wirksamen Pflichtteilsentziehung keinen Pflichtteil wirksam verlangen kann.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Menü