Vorweggenommene Erbfolge kann Folgen beim Tod der Eltern haben

  1. Startseite
  2. V [Erbrecht verständlich von A - Z]
  3. Vorweggenommene Erbfolge kann Folgen beim Tod der Eltern haben

Vorweggenommene Erbfolge. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Vorweggenommene Erbfolge

Frage: 

Unser Vater hat mich, Georg, zum Alleinerben eingesetzt. Ich habe 300.000 Euro geerbt. Meinem einzigen Geschwister, das ist mein Bruder Alwin, hat er noch zu seinen Lebzeiten 100.000 Euro „im Wege vorweggenommener Erbfolge“ zugewendet. Alwin macht jetzt seinen Pflichtteil gegen mich geltend. Muss er sich die 100.000 Euro auf seinen Pflichtteil anrechnen lassen?

Antwort:

Alwin muss sich die Zuwendung nur anrechnen lassen, wenn dies vor oder bei der Übergabe vereinbart war. Wäre dies der Fall würde Alwin nichts mehr erhalten. Bei einer Anrechnungsbestimmung werden nämlich aus Sicht von Alwin zum Nachlass von 300.000 seine 100.000 Euro dazugerechnet. Aus den 400.000 bekommt er dann einen Pflichtteil von 1/4, mithin 100.000, auf die er sich seine Zuwendung von 100.000 Euro, die er bereits erhalten hat, anrechnen lassen muss, so dass unter dem Strich Null herauskommt.

Zu diesem Ergebnis kommt man aber nur, wenn die Anrechnung auf den Pflichtteil ausdrücklich angeordnet wurde oder aber in der Formulierung „im Wege vorweggenommener Erbfolge“ enthalten ist.

Der Bundesgerichtshof hat im Jahr 2010 zu dieser Frage gesagt, dass es folgende Auslegungsmöglichkeiten für die Formulierung „im Wege vorweggenommener Erbfolge“ gibt:

  • Ausgleichung (die etwas anders berechnet wird als die obige Anrechnung und bei der Alwin einen Pflichtteil von 50.000 Euro erhielte)
  • Anrechnung (wie oben geschildert mit dem Ergebnis Null Euro Pflichtteil für Alwin)
  • Kombination von Ausgleichung und Anrechnung
  • die Zuwendung ist als Ausstattung immer auszugleichen
  • die Formulierung hat überhaupt keine besondere Bedeutung (dann betrüge der Pflichtteil Alwins 75.000 Euro)

Der BGH geht davon aus, dass im Zweifel von einer Ausgleichungsanordnung auszugehen sei, so dass in Ihrem Fall Ihr Bruder Alwin einen Ausgleichungspflichtteil von 50.000 Euro verlangen könnte.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Schenkungsteuer sparen durch Nießbrauch oder Wohnungsrecht

Schenkungsteuer sparen durch Nießbrauch oder Wohnungsrecht

Ich bin Erbe. Und wenn ich nun Schulden erbe?

Ich bin Erbe. Und wenn ich nun Schulden erbe?

Bindungsfalle Berliner Testament – Was geht noch?

Bindungsfalle Berliner Testament Bei einem Berliner Testament setzen sich die Eltern gegenseitig zu Alleinerben ein. Nach dem Tod des Längerlebenden erben dann die Kinder als Schlusserben. Wenn der erste Ehegatte stirbt, kann der überlebende Ehegatte das Testament nicht mehr abändern. So ganz richtig ist die letzte Aussage allerdings nicht. Er kann nur solche Verfügungen im…

Menü