Was ist bei der Verwaltung des Nachlasses durch die Erbengemeinschaft zu beachten?

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Was ist bei der Verwaltung des Nachlasses durch die Erbengemeinschaft zu beachten?

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Zur Verwaltung des Nachlasses gehören alle Maßnahmen, die erforderlich und geeignet sind, den Nachlass zu

  • sichern,
  • verwahren,
  • erhalten,
  • vermehren,
  • nutzen
  • die laufenden Verbindlichkeiten zu bestreiten.

Die Verwaltung des Nachlasses steht den Erben gemeinschaftlich zu (§ 2038 Abs. 1 S. 1 BGB).

  • § 2038 Gemeinschaftliche Verwaltung des Nachlasses
    (1) Die Verwaltung des Nachlasses steht den Erben gemeinschaftlich zu. Jeder Miterbe ist den anderen gegenüber verpflichtet, zu Maßregeln mitzuwirken, die zur ordnungsmäßigen Verwaltung erforderlich sind; die zur Erhaltung notwendigen Maßregeln kann jeder Miterbe ohne Mitwirkung der anderen treffen.
    (2) Die Vorschriften der §§ 743, 745, 746, 748 finden Anwendung. Die Teilung der Früchte erfolgt erst bei der Auseinandersetzung. Ist die Auseinandersetzung auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen, so kann jeder Miterbe am Schluss jedes Jahres die Teilung des Reinertrags verlangen.

Es wird unterschieden zwischen der

  • ordnungsmäßigen oder laufenden Verwaltung, der
  • Notverwaltung und der
  • außerordentlichen Verwaltung.

Bei der ordnungsmäßigen Verwaltung handelt sich um Maßnahmen, die der Beschaffenheit der Nachlassgegenstände und dem Interessse aller Miterben entsprechen (§ 745 in Verbindung mit § 2038 Abs. 2 BGB), z.B. gewöhnliche Reparaturarbeiten.

  • § 745 BGB Verwaltung und Benutzung durch Beschluss
    (1) Durch Stimmenmehrheit kann eine der Beschaffenheit des gemeinschaftlichen Gegenstands entsprechende ordnungsmäßige Verwaltung und Benutzung beschlossen werden. Die Stimmenmehrheit ist nach der Größe der Anteile zu berechnen.
    (2) Jeder Teilhaber kann, sofern nicht die Verwaltung und Benutzung durch Vereinbarung oder durch Mehrheitsbeschluss geregelt ist, eine dem Interesse aller Teilhaber nach billigem Ermessen entsprechende Verwaltung und Benutzung verlangen.
    (3) Eine wesentliche Veränderung des Gegenstands kann nicht beschlossen oder verlangt werden. Das Recht des einzelnen Teilhabers auf einen seinem Anteil entsprechenden Bruchteil der Nutzungen kann nicht ohne seine Zustimmung beeinträchtigt werden.

Im Falle der Notverwaltung sind Maßnahmen zu ergreifen, die zur Abwehr von Schäden dienen, die ohne die Vornahme dem Nachlass insgesamt oder einzelnen Gegenständen des Nachlasses bedrohen, z.B. unaufschiebbare Dachreparatur nach Sturmschaden.

Bei der außerordentlichen Verwaltung werden Maßnahmen vorgenommen, die weder zur ordnungsgemäßen Verwaltung, noch zur Notverwaltung gerechnet werden können, z.B. der Wiederaufbau eines im Krieg zerstörten Hauses.

Die Unterscheidung zwischen den drei Verwaltungsarten ist wegen der Mitwirkungsrechte der Erben bedeutsam. Für die

  • ordnungsgemäße Verwaltung genügt eine Mehrheitsentscheidung,
  • Maßnahmen der Notverwaltung kann jeder Miterbe alleine ohne Mitwirkung der anderen vornehmen und
  • bei Handlungen der außerordentlichen Verwaltung müssen alle Miterben zustimmen.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505


Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

ROK BGB § 0083 Stiftung von Todes wegen

ROK BGB § 0083 Stiftung von Todes wegen

Ausgleichsgemeinschaft in der Homo-Ehe

Unsere Kanzlei ist spezialisiert auf alle Fragen rund ums ERBEN und VERERBEN.

Was passiert beim Pflichtteil? Wer, wie viel, wann bezahlt

Pflichtteil und Freiteil Das Gesetz sieht vor, dass bestimmte Personen einfach etwas erben müssen. In uralter Zeit fiel das gesamte Vermögen immer an die Familie. Eigentlich gehörte es der Familie. Der Erblasser konnte nicht frei über sein Vermögen verfügen. Es entwickelte sich dann im Laufe der Jahrhunderte die Testierfreiheit. Man könnte beim Pflichtteilsrecht von einer…

Menü