Wie errechnet man den Steuerwert eines Wohnungsrechts oder Nießbrauchs?

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Niederstwertprinzip beim Pflichtteil
Kapitalwert

Wie errechnet sich der Steuerwert eines Wohnungsrechts oder Nießbrauchs? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby, Fachanwalt für Erbrecht. Konstanz, Radolfzell, Rottweil, Villingen-Schwenningen.

Wie errechnet sich der Steuerwert eines Wohnungsrechts oder Nießbrauchs?

Indem man den sogenannten Kapitalwert der Nutzung ermittelt. Wie das geht, stellen wir nachfolgend dar:

Die Finanzverwaltung braucht einen Wert, aus dem sie die Steuer berechnen kann. Dieser Wert heißt bei einer längeren Nutzungsberechtigung Kapitalwert. Auf den Kapitalwert wendet das Finanzamt dann nach Abzug der Freibeträge den Steuersatz an und kommt so zum Steuerbetrag in Euro.

Beispiel: 

Jahresnutzungswert 12.000 x Vervielfältiger 10 abzüglich Freibetrag 20.000 x Steuersatz 20 % = 20.000 Euro Schenkungsteuer

Die Ermittlung des Kapitalwerts ist in § 13 BewG geregelt:

§ 13 BewG Kapitalwert von wiederkehrenden Nutzungen und Leistungen
   (1) Der Kapitalwert von Nutzungen oder Leistungen, die auf bestimmte Zeit beschränkt sind, ist mit dem aus Anlage 9a (unten abgedruckt) zu entnehmenden Vielfachen des Jahreswerts anzusetzen. Ist die Dauer des Rechts außerdem durch das Leben einer oder mehrerer Personen bedingt, darf der nach § 14 zu berechnende Kapitalwert nicht überschritten werden.
   (2) Immerwährende Nutzungen oder Leistungen sind mit dem 18,6fachen des Jahreswerts, Nutzungen oder Leistungen von unbestimmter Dauer vorbehaltlich des § 14 mit dem 9,3fachen des Jahreswerts zu bewerten.
   (3) Ist der gemeine Wert der gesamten Nutzungen oder Leistungen nachweislich geringer oder höher, so ist der nachgewiesene gemeine Wert zugrunde zu legen. Der Ansatz eines geringeren oder höheren Werts kann jedoch nicht darauf gestützt werden, dass mit einem anderen Zinssatz als 5,5 Prozent oder mit einer anderen als mittelschüssigen Zahlungsweise zu rechnen ist.

Der Kapitalwert eines Nutzungsrechts nimmt logischerweise mit der Länge des Nutzungsrechts, die man Laufzeit nennt, zu. Es wird der Jahreswert des Nutzungsrechts mit einem Multiplikator vervielfältigt. Man kann aber nicht einfach die Jahres- oder Monatszahl der Nutzungsdauer nehmen und damit die Jahres- oder Monatsmiete vervielfältigen. Man benötigt einen Vervielfältiger (Faktor genannt), der sich aus der Anlage 9a zum BewG ergibt. Dieser berücksichtigt die sogenannte Abzinsung (um kurzerhand vom Gesetzgeber unterstellte 5,5 %), weil man ja den Kapitalwert im jetzigen Zeitpunkt braucht. Das hat zur Folge dass dieser Kapitalwert immer niedriger ist, als der Jahreswert multipliziert mit der Jahreszahl der Nutzung.

Anlage 9a (zu § 13 BewG)
Kapitalwert einer wiederkehrenden, zeitlich beschränkten Nutzung oder Leistung im Jahresbetrag von einem Euro

Der Kapitalwert ist unter Berücksichtigung von Zwischenzinsen und Zinseszinsen mit 5,5 Prozent errechnet worden. Er ist der Mittelwert zwischen dem Kapitalwert für jährlich vorschüssige und jährlich nachschüssige Zahlungsweise.

Laufzeit in JahrenKapitalwertLaufzeit in JahrenKapitalwert
10,9744617,090
21,8974717,173
32,7724817,252
43,6024917,326
54,3885017,397
    
65,1335117,464
75,8395217,528
86,5095317,588
97,1435417,645
107,7455517,699
    
118,3155617,750
128,8565717,799
139,3685817,845
149,8535917,888
1510,3146017,930
    
1610,7506117,969
1711,1636218,006
1811,5556318,041
1911,9276418,075
2012,2796518,106
    
2112,6136618,136
2212,9296718,165
2313,2296818,192
2413,5136918,217
2513,7837018,242
    
2614,0387118,264
2714,2807218,286
2814,5107318,307
2914,7277418,326
3014,9337518,345
    
3115,1297618,362
3215,3147718,379
3315,4907818,395
3415,6567918,410
3515,8148018,424
    
3615,9638118,437
3716,1058218,450
3816,2398318,462
3916,3678418,474
4016,4878518,485
    
4116,6028618,495
4216,7108718,505
4316,8138818,514
4416,9108918,523
4517,0039018,531
    
  9118,539
  9218,546
  9318,553
  9418,560
  9518,566
    
  9618,572
  9718,578
  9818,583
  9918,589
  10018,593
    
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