Worin unterscheiden sich eigentlich Vormundschaft, Betreuung und Pflegschaft?

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Worin unterscheiden sich eigentlich Vormundschaft, Betreuung und Pflegschaft?

Vormundschaft, Betreuung und Pflegschaft. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Frage: Worin unterscheiden sich Vormundschaft, Betreuung und Pflegschaft

Antwort: Diese drei Begriffe bezeichnen unterschiedliche Rechtsinstitute (also Einrichtungen des Rechts),  haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind Einrichtungen der staatlichen Fürsorge und des Beistands für solche Personen, die ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise noch nicht, nicht, oder nicht mehr selbst besorgen können. Für diesen Bereich wird eine andere Person vom Gericht zum gesetzlichen Vertreter bestellt.

  • die Vormundschaft wird angeordnet, wenn ein minderjähriges Kind kein Eltern mehr hat oder die Eltern die elterliche Sorge für ihr Kind nicht mehr wahrnehmen können oder nicht mehr wahrnehmen dürfen. die Vormundschaft hat die Personen- und Vermögenssorge für das sogenannte Mündel zum Gegenstand.
  • die Betreuung gilt für Erwachsene, die ihre Angelegenheiten wegen einer psychischen Krankheit, körperlicher Behinderung, geistiger Behinderung oder seelischer Behinderung nicht mehr besorgen können. Dabei soll nur so wenig Betreuung wie möglich (wenn es geht nur Teilbetreuung) und nur so viel Betreuung wie nötig angeordnet werden (wenn erforderlich auch Totalbetreuung).
  • die Pflegschaft bezieht sich nur auf die Besorgung einzelner Maßnahmen bzw. eines Kreises von Angelegenheiten, weil ein besonderes Schutzbedürfnis für den oder die Betroffenen besteht. Der Pfleger ist bei diesem konkreten Bedarf der gesetzliche Vertreter, der dann für den oder die Betroffenen handeln kann, wenn diese selbst nicht in der Lage sind, ihre Interessen wahrzunehmen, bzw. ein bereits vorhandener gesetzlicher Vertreter (z. B. wegen eines Insichgeschäftes) von der Vertretung ausgeschlossen ist.  Es gibt verschiedene Arten von Pflegschaft:
    – Leibesfruchtpflegschaft für ein bereits gezeugtes, aber noch ungeborenes Kind (§ 1912 BGB)
    – Ergänzungspflegschaft für einen Minderjährigen, dessen Eltern in einem Teilbereich an der Ausübung der elterlichen Sorge verhindert sind (§ 1909 BGB)
    – Abwesenheitspflegschaft für Minderjährige oder Erwachsene mit unbekanntem Aufenthalt (§ 1911 BGB)
    – Pflegschaft für unbekannte Beteiligte (§ 1913 BGB)
    – Pflegschaft für gesammeltes Vermögen (§ 1914 BGB)
    – Verfahrenspflegschaft in Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit [§ 276 FamFG (Betreuungsverfahren), § 317 FamFG (Unterbringungsverfahren), § 419 FamFG (Freiheitsentziehungssachen)].
    – Prozesspflegschaft in Verfahren der streitigen Gerichtsbarkeit (§ 57 ZPO)
    – Nachlasspflegschaft für unbekannte Erben (§ 1960, § 1961 BGB)
    – die Gebrechlichkeitspflegschaft (seinerzeit § 1910 BGB a.F.) wurde zum 1. Januar 1992 aufgehoben und durch die rechtliche Betreuung ersetzt.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Ausschluss des Nacherben wenn der „kinderlose Vorerbe“ ein Kind bekommt?

Druckansicht öffnen  [ 07.11.2013 ] Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Frage: Ich bin 1998 geboren. Meine Mutter war verheiratet, wobei ich nicht das leibliche Kind ihres Ehemannes bin. Er gilt aber nach dem Gesetz als mein Vater. 2011 verstarb mein Vater und wurde von mir alleine beerbt. Mein vor meinem Vater verstorbener Großvater väterlicherseits wusste von…

Forderungsvermächtnis: Wenn eine Forderung vermacht wird

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Ein Vermächtnis ist die testamentarische Anordnung, dass eine Person das Recht haben soll, vom Erben einen Vermögensvorteil zu fordern. Beschwerter kann neben dem Erben auch ein anderer Vermächtnisnehmer sein. Ist Gegenstand des Vermächtnisses eine Forderung, z.B. aus einem Sparbuch oder Girokonto gegen eine Bank, spricht man von einem Forderungsvermächtnis. §…

Rückzahlung von Schenkungen der Schwiegereltern

Rückzahlung von Schenkungen der Schwiegereltern. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Rückzahlung von Schenkungen der Schwiegereltern 1. Zuwendungen der Eltern, die um der Ehe ihres Kindes Willen an das (künftige) Schwiegerkind erfolgen, sind nicht als unbenannte Zuwendung, sondern als Schenkung zu qualifizieren (Aufgabe der bisherigen Senatsrechtsprechung …) Auch auf derartige Schenkungen sind die Grundsätze des Wegfalls der…

Menü