Kann jemand „erbunwürdig“ sein?

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[ 07.01.2015 ]

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Erbe kraft Gesetzes oder auf Grund einer Verfügung von Todes wegen wird man unabhängig davon, ob man die Erbschaft auch verdient hat. So werden die Kinder verstorbener Eltern gesetzliche Erben, auch wenn sie sich seit Jahren nicht mehr um Vater und Mutter gekümmert haben. Der Erblasser kann allerdings auf ein solches Verhalten reagieren und Nachkommen enterben (§ 1938 BGB), was aber zur Folge hat, dass sie immer noch ihren Pflichtteil verlangen können.

Unter bestimmten Voraussetzungen, in denen eine besonders verwerfliche Einstellung gegenüber dem Erblasser zutage kommt, kann ein Erbe jedoch für erbunwürdig erklärt werden. Dann gilt der Anfall der Erbschaft an den Betreffenden als nicht erfolgt. An dessen Stelle tritt dann derjenige, der berufen wäre, wenn der Erbunwürdige zur Zeit des Erbfalls nicht gelebt hätte(§ 2344 BGB).

Die schwerwiegenden Verfehlungen, die eine Erbunwürdigkeit zur Folge haben (vgl. § 2339 BGB), wirken nicht von selbst, sondern müssen durch Anfechtung des Erbschaftserwerbs nach Anfall der Erbschaft geltend gemacht werden (§ 2340 BGB). Die Anfechtung muss durch eine Klage erfolgen (§ 2342 BGB), die innerhalb der Frist des § 2082 BGB (§ 2340 Abs. 3 BGB) von demjenigen vorgenommen werden muss, dem der Wegfall des Erbunwürdigen (auch mittelbar) zustatten kommt (§ 2341 BGB).

Ebenfalls existieren Fälle der Vermächtnisunwürdigkeit (§ 2345 BGB) und der Pflichtteilsunwürdigkeit (§ 2345 Abs. 2 BGB), diese müssen nur durch eine entsprechende Erkärung an den Betroffenen geltend gemacht werden,  nicht durch Klage.

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