Verschwundenes Testament kann gelten

  1. Startseite
  2. N
  3. Verschwundenes Testament kann gelten

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Ist ein Testament verschwunden, ist der Jammer groß. Aber weil ein Testament nicht auffindbar ist, muss es noch lange nicht ungültig sein. Man kann seine Errichtung zum Beispiel durch Fotokopien beweisen. Deshalb sind Fotokopien von Testamenten nicht ungefährlich. Wer sein Testament widerruft, sollte dafür Sorge tragen, dass auch alle Fotokopien vernichtet werden. Aber auch der Zeugenbeweis ist zulässig.

Es gelten folgende Grundsätze:

  • Die Errichtung, die Form und der Inhalt eines nicht auffindbaren Testaments können im Erbscheinsverfahren mit allen zulässigen Beweismitteln bewiesen werden.
  • Der Umstand allein, daß die Testamentsurkunde unauffindbar ist, begründet keine Vermutung dafür, daß der Erblasser sie in Widerrufsabsicht vernichtet habe.
  • Wer die Fortgeltung eines unauffindbaren Testaments bestreitet, muss beweisen, dass der Erblasser es widerrufen hat.

Das OLG Zweibrücken hat sich ein seinem Beschluss vom 09-03-1987 – 3 W 28/87- mit der Problematik eines nicht auffindbaren Testaments befasst und hierzu folgende wichtige Feststellungen getroffen:

  • Eine Erbeinsetzung scheitert nicht schon daran, dass die errichtete Testamentsurkunde nicht vorgelegt werden kann. Errichtung, Form und Inhalt eines nicht mehr vorhandenen Testaments können mit allen zulässigen Beweismitteln, also auch durch Zeugenaussagen, bewiesen werden
  • Ein einmal errichtetes Testament verliert seine Wirksamkeit nicht dadurch, dass die Testamentsurkunde unauffindbar ist. Insbesondere spricht bei Unauffindbarkeit der Testamentsurkunde keineswegs eine Vermutung dafür, dass der Erblasser sie in Widerrufsabsicht vernichtet hat .
  • Wer sich darauf beruf, dass ein nicht auffindbares Testament einmal errichtet wurde, trägt zwar die Feststellungslast bezüglich der Errichtung, der Formgültigkeit und des behaupteten Inhalts dieses Testaments, nicht aber für dessen Fortgeltung bis zum Tode des Erblassers. Vielmehr trägt der Verfahrensgegner die Feststellungslast dafür, dass der Erblasser vor seinem Tode diese Testamentsurkunde vernichtet hat.

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Erbschaftsteuer: Wie werden Aktien bewertet?

Erbschaftsteuer: Wie werden Aktien bewertet? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Erbschaftsteuer: Wie werden Aktien bewertet? Im Erbschaftsteuerrecht gilt das Stichtagsprinzip. Es gilt also der Wert der Aktien am Todestag. Wenn der Börsenkurs später steigt oder sinkt beeinflusst dies die Besteuerung nicht. Es gilt der aktuelle Börsenwert zum Todestag des Erblassers, selbst wenn dieser bis zur…

Haustiere im Testament: Wie die Lieblinge „erben“ können

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Tiere können nicht Erbe werden, weil sie nicht rechtsfähig sind. Sie können aus diesem Grund auch keine Vermächtnisse zu ihrer Versorgung geltend machen (wie auch?). Mann kann ein Tier aber im Testament nur über eine sogenannte „Auflage“ versorgen, nach welcher der Erbe oder der Vermächtnisnehmer das Tier versorgen muss. Denkbar…

Welches ist das herrschende Prinzip im deutschen Erbrecht?

Das herrschende Prinzip im deutschen Erbrecht. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Das herrschende Prinzip im deutschen Erbrecht Das ist der Grundsatz der Testierfreiheit (der „Letzte Wille“ zählt!). Testierfreiheit ist die vom Erbrecht im objektiven Sinn eingeräumte Möglichkeit, in den Grenzen des Pflichtteilsrechts frei durch Verfügung von Todes wegen über das eigene Vermögen zu verfügen. Die Testierfreiheit ist ein…

Menü