Testamentsauslegung: „Miteinander sterben“ kann auch für den Tod des lange überlebenden Ehegatten gelten

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Testamentsauslegung: „Miteinander sterben“ kann auch für den Tod des lange überlebenden Ehegatten gelten

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Der Ehemann verfasste ein Testament, in dem er die Frau zur Alleinerbin einsetzte. Noch am gleichen Tag verfügten die beiden Eheleute in einem weiteren Testament: „Sollte es Gott dem Allmächtigen gefallen, dass wir beide Ehegatten miteinander durch irgendein Ereignis sterben setzen wir die nachfolgenden sechs Personen zu gleichen Teilen zu Erben ein“. Der Ehemann starb zuerst, die Ehefrau Jahre später. Die gesetzlichen Erben hielten die Erbeinsetzung der sechs anderen Personen für unwirksam, da das Testament nur für den (seltenen) Fall des gleichzeitigen Sterbens verfasst worden sei.

Ein solches Testament ist auszulegen. Auszulegen ist immer nach der Vorstellung der Testamentserrichter im Zeitpunkt der Abfassung des Testaments. Der Wortlaut des Testaments spielt zunächst bei der Auslegung keine Rolle.  Es ist naheliegend, dass das Testament nicht nur für den sehr unwahrscheinlichen Fall des gleichzeitigen Versterbens gelten soll, sondern auch für den Normalfall des Versterbens in zeitlichem Abstand.

Das Oberlandesgericht München entschied:

Wird ein privatschriftliches gemeinschaftliches Testament mit der Formulierung eingeleitet, „Sollte es Gott dem Allmächtigen gefallen, dass wir beide Ehegatten miteinander durch irgendein Ereignis sterben“, kann im Einzelfall die Auslegung ergeben, dass die letztwillige Verfügung auch für den Fall gelten soll, dass die Ehegatten mit erheblichem zeitlichen Abstand versterben. 

OLG München, Beschluss vom 30.07.2008 – 31 Wx 29/08

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505


Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1 Stunde in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Mündelsichere Geldanlage für Schutzbefohlene: Schutz vor Wertverlust

Mündelsichere Geldanlage für Schutzbefohlene: Schutz vor Wertverlust

Die Beschwerde im Erbscheinsverfahren beim AG und OLG

Die Beschwerde im Erbscheinsverfahren beim AG und OLG

Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht

Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht., Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Gleichstellung nichtehelicher Kinder im Erbrecht 1. Gleichstellung nur für Erbfälle ab dem 29. Mai 2009 Endlich findet im Erbrecht die Ungleichbehandlung von ehelichen und nichtehelichen Kindern sein Ende. Am 24.02.2011 hat der Bundestag das „Zweite Gesetz zur erbrechtlichen Gleichstellung nichtehelicher Kinder, zur Änderung der Zivilprozessordnung…

Menü