Pflichtteilsentziehung und Verzeihung

  1. Startseite
  2. Tipps & Tricks
  3. Pflichtteilsentziehung und Verzeihung

Pflichtteilsentziehung und Verzeihung. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

Pflichtteilsentziehung und Verzeihung

Frage:
Ich bin das einzige Kind meines verstorbenen Vaters. Er hat seine Lebensgefährtin in seinem Testament zur Alleinerbin eingesetzt. Mir hat er den Pflichtteil entzogen, weil ich einige Jahre im Gefängnis wegen schwerer Straftaten einsaß. Das hat mich nun doch sehr überrascht. Wir haben nämlich nach Verbüßung meiner Haftzeit mehrmals gemeinsam Weihnachten gefeiert,  mein Vater hat mir finanzielle Unterstützung angeboten und moralischen Beistand geleistet. Ich glaube, dass er in Wirklichkeit das Testament so errichtet hat, weil mein Vater inzwischen wohl wieder seine Meinung über mich geändert hat, nachdem seine Lebensgefährtin in Spiel kam. Kann ich meinen Pflichtteil verlangen?

Antwort:
Ja, sie können ihn verlangen, da Ihr Vater Ihnen verziehen hatte und kein neuer Pflichtteilsentziehungsgrund vorliegt.

Die von Ihnen begangenen Straftaten könnten zwar einen Pflichtteilsentziehungsgrund darstellen. Allerdings kommt keine Pflichtteilsentziehung in Betracht, wenn Ihnen Ihr Vater verziehen hat. Das ist der Fall.

Eine Verzeihung liegt vor, wenn der Erblasser durch sein Verhalten zeigt, dass er die durch die Tat des Pflichtteilsberechtigten hervorgerufene Kränkung nicht mehr als solche empfindet. Eine Verzeihung ist ein unwiderrufliches tatsächliches Verhalten, das sich auch in schlüssigen Handlungen ausdrücken kann. Hierzu reicht es, wenn im Verhalten des Erblassers ein Wandel zur Normalität stattgefunden hat und familiäre Beziehungen wieder aufgenommen werden. So war es bei Ihnen. Eine Verzeihung kann nicht wieder einfach zurückgenommen werden.  Die Meinungsänderung stellt keinen neuen Pflichtteilsentziehungsgrund dar, der für eine wirksame Pflichtteilsentziehung hätte vorliegen müssen.

Tipp: Lesen Sie bitte OLG Nürnberg vom 8. Mai 2012, 12 U 2016/11

Erbrechtkanzlei Ruby – Wir machen nur Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stunden in Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten Sie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Als Erbe in die Pleite?

Als Erbe in die Pleite?  Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Als Erbe in die Pleite? 1. Welche Folge hat die Ausschlagung einer Erbschaft? Schlägt der Erbe die Erbschaft z.B. wegen offensichtlicher Überschuldung aus, so haftet er nicht mit seinem Eigenvermögen (Das Eigenvermögen ist das vom Nachlass getrennte eigene Vermögen, das der Erbe schon vor dem…

Vergütung eines Nachlasspflegers

Vergütung eines Nachlasspflegers. Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Vergütung eines Nachlasspflegers Für die Vergütung eines Nachlasspflegers (hier von Beruf Rechtsanwalt) bei vermögendem Nachlass sind die Stundensätze im Grundsatz unabhängig von den Festlegungen des BVormG anhand der Kriterien des § 1836 Abs. 2 S. 2 BGB a.F. zu bestimmen. Die festgelegten Sätze für die Vergütung der Betreuer…

Erbschaftsteuer: Wie läuft die Substanzbewertung betrieblichen Umlaufvermögens?

Wie läuft die Substanzbewertung betrieblichen Umlaufvermögens? Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Wie läuft die Substanzbewertung betrieblichen Umlaufvermögens? Zum Umlaufvermögen eines Unternehmens gehören die Vermögensgegenstände, die im Rahmen des Betriebsprozesses umgesetzt werden sollen, deren Bestand sich also durch Zu- und Abgänge häufig ändert. Hierher gehören zum Beispiel die Rohmaterialien, die der Betrieb kauft, und die Produkte, die…

Menü