Dauertestamentsvollstreckung kann dreißig Jahre und mehr dauern

  1. Startseite
  2. D
  3. Dauertestamentsvollstreckung kann dreißig Jahre und mehr dauern

Gerhard Ruby - Portrait

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby

 

Eine Dauertestamentsvollstreckung liegt vor, wenn der Erblasser verfügt hat, dass die Testamentsvollstreckung dauerhaft und nicht nur zur Erledigung von gewissen Aufgaben angeordnet wird. Ohne Zeitangabe im Testament endet die Dauertestamentsvollstreckung in der Regel nach dreißig Jahren. Der Erbe hat während dieser Zeit keine Zugriffsrechte auf den Nachlass.

1. Bin ich als Verwaltungstestamentsvollstrecker befugt, über Nachlassgrundstücke zu verfügen?

Ja. Nach § 2205 S. 2 BGB ist der Testamentsvollstrecker grundsätzlich berechtigt, den Nachlass in Besitz zu nehmen und über Nachlassgegenstände zu verfügen.

§ 2205 BGB Verwaltung des Nachlasses, Verfügungsbefugnis
   Der Testamentsvollstrecker hat den Nachlass zu verwalten. Er ist insbesondere berechtigt, den Nachlass in Besitz zu nehmen und über die Nachlassgegenstände zu verfügen. Zu unentgeltlichen Verfügungen ist er nur berechtigt, soweit sie einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprechen.

Daran ändert auch ein Zusatz über die Verwaltungsvollstreckung im Testamentsvollstreckerzeugnis nach § 2209 Abs. 1 Halbs. 1 BGB nichts.

§ 2209 BGB Dauervollstreckung
Der Erblasser kann einem Testamentsvollstrecker die Verwaltung des Nachlasses übertragen, ohne ihm andere Aufgaben als die Verwaltung zuzuweisen; er kann auch anordnen, dass der Testamentsvollstrecker die Verwaltung nach der Erledigung der ihm sonst zugewiesenen Aufgaben fortzuführen hat. Im Zweifel ist anzunehmen, dass einem solchen Testamentsvollstrecker die in § 2207 bezeichnete Ermächtigung erteilt ist.

Diese Beschränkung erstreckt sich lediglich darauf, dass dem Testamentsvollstrecker die Regelaufgaben nach § 2203 BGB (Ausführung der letztwilligen Verfügungen) und § 2204 BGB (Nachlassauseinandersetzung) nicht aufgetragen sind. Auch der Testamentsvollstrecker, dem lediglich die Verwaltungsvollstreckung übertragen ist, ist im Rahmen dieser Aufgabenstellung aber befugt, über Nachlassgegenstände zu verfügen.

Quelle und Vertiefungshinweis: OLG Bremen vom 24. 1. 2013, 3 W 26/1258 in ZEV 2013, 335

Ruby – Die Kanzlei für Erbrecht – Wir helfen Ihnen – Überall in Deutschland – Tel. 07721 / 9930505

Wichtig: Auch wenn sich auf unserer Homepage vieles für Sie einfach darstellen mag, fehlt auch dem intelligentesten Laien der Gesamtüberblick im Erbrecht. Oft werden schwierigste Punkte, die scheinbar im Vordergrund stehen, verstanden, grundlegende andere Probleme, die für den konkreten Fall wirklich entscheidend sind, aber gar nicht gesehen. Wir empfehlen Ihnen daher, unsere günstige Erstberatung von bis zu 1,5 Stundenin Anspruch zu nehmen. Die Erstberatung kann persönlich, telefonisch, schriftlich oder per Mail erfolgen. Sie kostet nur 190 Euro plus Mehrwertsteuer (eventuell noch Postgebührenpauschale, also im Ergebnis 226,10 oder 249,90 Euro). Sparen Sie nicht am falschen Ort. Oft müssen die Erben später viele Jahre prozessieren und Zigtausende an Anwalts- und Gerichtskosten zahlen, nur weil der Erblasser die geringen Erstberatungskosten sparen wollte. Übrigens: Bei einer Erstberatung durch uns erhalten SieVorsorgevollmacht und Patientenverfügung kostenlos.

Das könnte Sie auch interessieren

Nacherbe: Worin liegt der Unterschied zum Ersatzerben?

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Der Nacherbe ist bei einem Erb-Staffellauf der Zielläufer, ein Ersatzerbe ist lediglich ein Ersatzmann, der überhaupt nur als Erbe zum Zuge kommt, wenn ein anderer ausfällt. Oder juristischer formuliert: Dem Nacherben geht zunächst immer ein anderer als Erbe vor, der sogenannte Vorerbe. Dies ist bei der Ersatzerbschaft ausgeschlossen, weil dort…

Darf man ihm die Hand führen, wenn der Vater das Testament schreibt?

Druckansicht öffnen  [ 20.01.2015 ] Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Das kommt öfters vor. Ein Testament wird eröffnet und dann fällt auf, dass das Schriftbild des Textes und der Unterschrift sich stark unterscheiden. Eventuell stellt sich dann beim Nachfragen durch das Nachlassgericht heraus, dass das Kind nur die zittrige Hand des Vaters beim Schreiben „beruhigt“,…

Darf man einen Erwachsenen adoptieren, um Erbschaftsteuer zu sparen, z.B. wenn man das Haus überträgt?

Erklärt von Rechtsanwalt Gerhard Ruby Wenn es nur darum geht Steuern zu sparen, ist die Adoption nicht erlaubt. Die Adoption eines Erwachsenen muss „sittlich gerechtfertigt“ sein. Das ist dann der Fall, wenn zwischen dem Anzunehmenden und dem Annehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis besteht. Ein Eltern-Kind-Verhältnis ist in der Rechtssprache ein „eine auf Dauerangelegte Bereitschaft zu gegenseitigem Beistand“….

Menü